Kirchengemeinde Wernswig kämpft um Erhalt der Pfarrstelle

Kirche ohne Pfarrer: Noch ist nicht entschieden, wie künftig die Gottesdienste in Wernswig geregelt werden sollen. Fotos:  Daniel Grob

Homberg/Verna. Wenn sonntags in Wernswig die Glocken läuten, macht sich im Pfarrhaus um die Ecke kein Pfarrer mehr für den Gottesdienst fertig. Das Dorf steht ohne Seelsorger da: Nachdem Pfarrer Georg Wegendt im Juni in Altersteilzeit gegangen ist, ist die Pfarrstelle vakant.

Ob sie wieder besetzt wird, ist ungewiss, denn die Landeskirche will wegen der rückläufigen Zahl der Menschen in der Region landesweit 74 Gemeindepfarrer einsparen. Auf 3,75 Stellen davon muss der Kirchenkreis Homberg verzichten. Eine davon könnte die unbesetzte Stelle in Wernswig sein.

Dennoch werden die Wernswiger künftig keinesfalls ohne seelsorgerische Betreuung auskommen müssen, betont Sabine Tümmler, kommissarische Dekanin des Kirchenkreises Homberg. Doch gleich, wie die Lösung aussehen wird, eines steht fest: Die Kirchengemeinden müssen künftig wegen des Bevölkerungsrückgangs enger zusammenrücken und die Arbeit der Pfarrer muss anders verteilt werden.

Für Wernswig gibt es bei dieser Umverteilung bereits eine Idee. Der Waßmuthshäuser Pfarrer Ralf Ruckert und der Vernaer Pfarrer Richard Heymann-von der Lühe könnten in ihrer Arbeit so zusammenwachsen, dass sie Wernswig mitbetreuen würden -ohne dass die Kirchengemeinde Profil verliert, sagt Sabine Tümmler.

Sowohl Pfarrer Ruckert als auch Pfarrer Heymann-von der Lühe haben je eine Dreiviertelstelle in der Gemeindearbeit. In der restlichen Zeit betreuen sie mit einem Zusatzauftrag Zivildienstleistende (Ruckert) und Senioren. Auch der ehemalige Wernswiger Pfarrer Georg Wegendt hatte nur eine Dreiviertelstelle. Er leistete zudem seelsorgerische Arbeit im Homberger Krankenhaus. Auch diese Aufgabe entfällt, wenn die Klinik Ende des Monats schließt.

Jetzt lautet die Idee, die bisherigen drei Dreiviertelstellen in zwei ganze zu verwandeln. In der Konsequenz heißt das, dass Pfarrer Ruckert und Heymann-von der Lühe Wernswig mitbetreuen müssten. Ob von ihren jetzigen Wohnorten aus oder ob einer von beiden ins Wernswiger Pfarrhaus zieht, steht noch nicht fest. „Es ist natürlich schwierig für die Wernswiger, dass das früher so stark belebte Pfarrhaus leer steht“, sagt Sabine Tümmler. Aber sie lässt auch keinen Zweifel: „Wir werden die Arbeit neu organisieren müssen.“

Zurzeit verfasst der Kirchenvorstand eine Stellungnahme, noch in diesem Herbst soll der Bischof eine Entscheidung fällen. „Alle drei Kirchengemeinden sind uns lieb und teuer, und Wernswig hat unserer Solidarität“, betont Sabine Tümmler. „Mir wäre es auch lieber, wenn die Kirchengemeinden so wachsen, dass wir alle Pfarrstellen besetzen könnten. Aber das tun sie nicht. Sie schrumpfen.“

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Quelle: HNA

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