Keiner will mehr Arzt auf dem Land werden

Schwalm-Eder. Alarmierend stellt sich die Entwicklung der Versorgung durch Ärzte, Pflegekräfte und Apotheken im Schwalm-Eder-Kreis dar. Das geht aus dem Gesundheitsreport des Hessischen Sozialministeriums und der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen hervor.

Eine Lösung für das Problem ist nicht in Sicht. Obwohl Mediziner, die sich auf dem Land niederlassen, derzeit einen Zuschuss von 50.000 Euro erhalten.

Derzeit arbeiten 127 Hausärzte im Landkreis. Noch gilt: der Bereich um Schwalmstadt ist voll versorgt, während die Gebiete um Homberg, Borken und Melsungen heute schon mehr Allgemeinmediziner bräuchten. Im Landkreis ist einzig in Ottrau kein Hausarzt ansässig - dort müssen Patienten mehr als neun Kilometer in eine Praxis fahren.

Das durchschnittliche Alter der Ärzte steigt, heute sind die meisten zwischen 50 und 59 Jahren alt. 2020 werden von den Hausärzten nur noch 52 tätig sein - der Rest wird in Ruhestand gegangen sein. Ein ähnlicher Rückgang ist auch bei Fachärzten wie Urologen, Gynäkologen und Augenärzten zu erwarten. Es mangelt bereits an Orthopäden und Psychotherapeuten.

„Unsere Gesellschaft benötigt dringend eine Antwort darauf, warum ein Berufsbild, das vor Jahren hochbegehrt war, mittlerweile so unattraktiv ist, dass viele Praxen einfach nicht mehr nachbesetzt werden“, sagte Dr. Günter Haas, stellvertretender Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung.

Die Zahl der alten Menschen, die Pflege benötigen, wird in sechs Jahren von 6700 auf 7500 wachsen. Zusätzliches Pflegepersonal besonders für die Betreuung von Demenzkranken wird nötig.

Auch für die Apotheken müssen Nachfolger her. Derzeit gibt es 45 Standorte im Landkreis - am besten ist Neukirchen versorgt, am schlechtesten Wabern. In zehn Jahren gehen dann bis zu 26 Apotheker in den Ruhestand.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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