Keiner will das Schrotthaus

Gudensberg. Die Stadt Gudensberg muss ein Haus zwangsversteigern, dass ihr eigentlich gar nicht gehört. Das alte Fachwerkhaus an der Braugasse in der historischen Altstadt steht seit einiger Zeit leer und verfällt.

Haus und Grund sind herrenlos. 28 solcher Immobilien gibt es im Landkreis. „Der neue Eigentümer hat das Haus geerbt, aber auf das Eigentum verzichtet“, sagt Frank Börner, Gudensbergs Bürgermeister. Das Haus ist mit einer Hypothek belastet.

Die Stadt sei im Zuge des Projekts „Vitalisierung der Innenstadt“ bemüht, die historische Bausubstanz in der Altstadt zu erhalten. Solche Fälle machten es aber schwer, dies auch umzusetzen. Derzeit bliebe die Stadt zum Beispiel auf Kosten sitzen und bekomme keine Grundsteuer. Das Land Hessen habe bei herrenlosen Grundstücken einen Aneignungsanspruch, nutze diesen aber für das marode Haus nicht aus. Das Land habe bisher aber auch nicht gänzlich auf die Immobilie verzichtet, so dass man es hätte verkaufen können. Auf dem üblichen Weg ließe sich wohl kein Käufer finden, da die Gläubiger nicht auf ihr Geld verzichten würden. Ein nennenswerter Kaufpreis sei völlig unrealistisch.

Doch es gibt einen Ausweg aus dem Dilemma: „Wegen der Forderungen aus der Grundsteuer haben wir das Zwangsversteigerungsverfahren eingeleitet“, sagt Börner. Bei einer Zwangsversteigerung würden die Hypotheken gelöscht. Die Stadt hoffe so, leichter einen neuen Käufer zu finden. Der Verkehrswert des Hauses liegt bei null Euro, das Grundstück wird mit etwa 10.000 Euro veranschlagt. „Vielleicht können wir einen weiteren Verfall verhindern“, bringt Börner seine Hoffnung zum Ausdruck. Bis dahin muss die Stadt aber erneut in Vorleistung gehen: Denn die Versteigerungsgebühren von 1500 Euro muss die Stadt ebenfalls vorstrecken.

Amt hat keine Pflichten

Das Eigentum an einem Grundstück kann dadurch aufgegeben werden, dass der Eigentümer den Verzicht dem Grundbuchamt gegenüber erklärt, heißt es vom Hessischen Immobilienmanagement. Das Recht auf Aneignung steht dem Land zu. Außer dem Aneignungsrecht hat das Land keine weiteren Rechte und auch keinerlei Pflichten (wie zum Beispiel Instandsetzungs- oder Verkehrssicherungspflicht).

Das Braugassengrundstück werde man sich wohl nicht aneigenen, heißt es weiter. Das kommt häufiger vor, da diese herrenlosen Grundstücke meist überschuldet sind. Gegen ein individuelles Entgelt wird das Eigentum dann an einen Dritten übertragen. Derzeit sind dem Immobilienmanagement 28 solcher herrenloser Grundstücke im Schwalm-Eder-Kreis bekannt. (ddd)

Quelle: HNA

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