80 Menschen gedachten am Sonntag in Knüllstadt der Reichspogromnacht

Kerzen gegen Vergessen

Gedenkveranstaltung: Melanchthonschüler und junge Leute der Steinwaldschule (hier im Bild) gestalteten den Abend an der ehemaligen Synagoge und im Rathaus. Foto: Rose

Neukirchen. Kerzen leuchteten am Sonntagabend vor dem Gedenkstein in der Untergasse in Neukirchen: Sie sollten Licht ins Dunkel, in das schwärzeste Kapitel der Geschichte, die das Leben tausender Juden in Deutschland veränderte oder gar auslöschte, bringen. Vor der ehemaligen Synagoge trafen sich 80 Menschen zu einer Andacht, um an die Reichspogromnacht 1938 zu erinnern.

Bei Glockengeläut der evangelischen und katholischen Kirchen wurden die Menschen still. Ewald Dilling forderte mit Klezmer-Musik zum Nachdenken auf. „Tu deinen Mund auf für die Stummen“, sprach Prädikantin Sigrid Käßmann-Strauch die Zuhörer an. Sie bat die Menschen, immer wieder gegen das Vergessen zu sprechen, wachsam zu sein und sich Unrecht entgegen zu stellen. Der frühere Bundespräsident von Weizsäcker habe einmal gesagt: „Schuld ist wie Unschuld persönlich. Jeden trifft die Erbschaft der Geschichte seines Volkes.“ Davon könne sich niemand lossagen. „Unsere Aufgabe bleibt es, gegen das Vergessenwollen zu arbeiten und das Gedenken wach zu halten.“

Käßmann-Strauch rief auch dazu auf, Wachsamkeit gegen jedwede Form von Rassismus zu entwickeln. Pater Klaus Gajowski OMI sprach Fürbitten. Im Anschluss wurde das Gedenken von Schülern der Melanchthon- und der Steinwaldschule im Rathaus wach gehalten.

Die Jugendlichen sprachen zu Themen wie „Vom Antijudaismus zum Antisemitismus“ sowie über die Emigration der Familie Spier aus Neukirchen.

Insgesamt 27 jüdische Familien mit 101 Menschen hatten in Neukirchen zum Zeitpunkt der Reichspogromnacht gelebt. (zsr)

Quelle: HNA

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