In der Weihnachtszeit feiern die Juden Chanukka, im Mittelpunkt steht die Familie

Kerzen, Krapfen, Gesang

Lichterfest: Ein Gemeindemitglied entzündet eine Kerze am Chanukka-Leuchter. Das Fest dauert acht Tage und erinnert an die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem. Fotos: Archiv/Schittelkopp

Schwalm-Eder. „Wir setzen dem Weihnachtskitsch etwas entgegen“, sagt Deborah Tal-Rüttger, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Felsberg. „Chanukka hat für uns eine gesellschaftliche Bedeutung in der christlichen Welt“, erklärt sie. Gläubige Juden feiern das Fest am 25. Tag des Monats Kislew – in diesem Jahr fällt er auf den 21. Dezember.

Chanukka, das Lichterfest, bedeutet Weihung oder Einweihung. Acht Tage lang zünden die Gläubigen immer eine Kerze mehr am Chanukka-Leuchter an. Dazu wird gesungen. Die Kinder bekommen kleine Gaben. „Geschenke spielen traditionell eigentlich keine Rolle“, sagt Deborah Tal-Rüttger. Chanukka feiern besonders die Juden außerhalb Israels, um den Kindern eine Alternative zu Weihnachten zu bieten. Es ist ein sehr familiäres Fest.

Geschichte: Die alten Griechen hatten das Gebiet um das heutige Israel erobert. Die Makkabäer besiegten die Eroberer und reinigten ihren Tempel, um ihn wieder weihen zu können. Im Talmud, der heiligen Schrift der Juden, steht geschrieben, dass die Priester geweihtes Öl brauchten, um die Tempelleuchter zu entzünden. Sie fanden einen Rest Öl, der für einen Tag gereicht hätte: Doch die Flamme des Tempelleuchters brannte acht Tage lang. Zum Andenken daran feiern Juden acht Tage lang Chanukka.

Chanukka-Leuchter: Der Chanukka-Leuchter steht symbolisch für die acht Tage, an denen das Licht im Tempel brannte. Die Kerzen gelten als heilig und dürfen nicht per Hand angezündet werden. Deshalb hat ein Chanukka-Leuchter neun Arme. Acht Arme für die Kerzen und einen „Diener“. Mit dem Diener werden die anderen Kerzen angezündet. Jeden Tag wird eine heilige Kerze mehr entfacht. Die Kerzen müssen jeden Tag herunterbrennen.

Kulinarisches: Die Gläubigen essen an Chanukka Milchspeisen und in Öl Gebackenes. Krapfen, Berliner und Kartoffelpuffer sind beliebt. „Das Essen ist sehr kalorienhaltig“, sagt Deborah Tal-Rüttger.

Bräuche: „Als mein Sohn noch klein war, bekam er jeden Tag ein kleines Geschenk. Am letzten dann natürlich das größte“, erzählt die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde. Nach ihren Erfahrungen sei das in vielen Familien so üblich.

Der Dreidel, ein Spiel mit einem Kreisel, ist eine beliebte Beschäftigung für Kinder während der Festtage. Auf dem Kreisel stehen Initialen in hebräischer Sprache für „Ein großes Wunder geschah dort“. Je nachdem welches Wort nach oben zeigt, gewinnen oder verlieren die Kinder Nüsse, die sie als Spieleinsatz verwendet haben.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

Kommentare