In Melsungen trainierten Fußballer, die als Feldspieler nur ein Bein besitzen

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Treffpunkt Turnhalle der Schloth-Schule: links Erik Bayer aus Weil der Stadt in der Nähe von Stuttgart, rechts Lars Wurst aus Melsungen.

Melsungen. In Melsungen trainierten am Wochenende zehn Fußballer, die durch einen Unfall oder eine Krankheit ein Bein verloren haben. Die Sportart heißt Amputee-Soccer, Amputiertenfußball.

Nach einer Aufwärmphase und Dehnübungen spielten sich die Männer zu zweit oder zu dritt den Ball zu, dann ging es richtig zur Sache: Angesichts der wenigen Spieler wurden zwei kleinere Mannschaften gebildet - Gelb gegen Weiß.

Mit schier unglaublichem Tempo und einer für gesunde Menschen faszinierenden Geschicklichkeit bewegten sie sich durch die Turnhalle der Schloth-Schule, spielten sich den Ball zu und schossen mit voller Wucht aufs Tor.

Die Torwarte, die zwei Beine besitzen, aber nur einen Arm zum Fangen haben, zeigten: Es ist nicht einfach, mit einer Hand einen mit hoher Geschwindigkeit heranfliegenden Fußball zu fangen. Aber: Es geht. Es muss gehen, denn Ende März fahren die deutschen Amputiertenfußballer nach Manchester (Großbritannien), um dort gegen Mannschaften aus England, Polen und Irland anzutreten, erklärt Lars Wurst aus Melsungen.

Einziges Team

2006 kam hierzulande die Idee auf, seit 2009 spielen Amputierte, die aus ganz Deutschland kommen, als Team - als einziges bundesweit.

„Wir werben für unseren Sport in Kliniken, bei Ärzten und Orthopädiemechanikern“, erklärt Erik Bayer, der aus Weil der Stadt angereist ist. Auch im Internet gibt es spezielle Seiten.

Trainiert wird im Abstand von mehreren Wochen. Spieler, die im Alltag ganz oder zumindest häufig auf ihre Beinprothese verzichten, haben beim Kicken mit dem einen gesunden Bein und den Gehhilfen einen Vorteil gegenüber denen, die mehr an die Prothese gewöhnt sind.

Anstrengend ist es für alle. Schon nach zehn Minuten quer durch die Halle steht den Männern der Schweiß auf der Stirn. Doch bei den Wettkämpfen müssen sie doppelt so lange durchhalten: 20 Minuten dauert eine Halbzeit, zehn Minuten die Pause. (bmn)

Hintergrund: Erster Amputierten-Fußballclub Deutschland, 1. AFC, so nennt sich die Gruppe. So soll auch der Verein heißen, der im Frühjahr gegründet wird. Der 1. AFC sucht auch dringend Sponsoren, gerade im Hinblick auf den Wettkampf in Manchester.  Wer sich für diese Form des Behindertensports als Aktiver oder Unterstützer interessiert, findet Informationen und die Kontaktdaten unter www.amputierten-fussball.de

Kontakt für die Region: larswurst@arcor.de

Quelle: HNA

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