Lemmi lebt:Kids Fashion Group hat Markennamen übernommen

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Der Verkauf läuft: Bei Lemmi in Fritzlar wird nach wie vor Kleidung für Kinder und Jugendliche verkauft, allerdings von einem neuen Eigentümer.

Fritzlar. Der Schock kam Anfang April und er saß tief: Die Fritzlarer Traditionsfirma Lemmi schloss quasi über Nacht ihre Türen, 46 Mitarbeiter wurden arbeitslos, bis Jahresende wird die Firma komplett abgewickelt. Doch der Name Lemmi lebt, und es wird auch weiterhin Kindermode mit diesem Namen geben.

Die Kids Fashion-Group (KFG) mit Sitz in Pliezhausen bei Stuttgart hat von Lemmi unter anderem die Warenbestände, Marken- und Vertriebsrechte, Passformen und Schnittmuster übernommen, wie Fashion-Group-Geschäftsführer Harald Hepperle im Gespräch mit der HNA sagte. Somit gelte: "Eine Lemmi-Hose soll weiter so gut passen, wie es eine Lemmi-Hose eben tut."

Grundsätzlich sei die Firma auch an den Gebäuden in Fritzlar interessiert, in denen sie zurzeit den Fabrikverkauf betreibt. Da die KFG ihr Zentrallager in Lauterbach im Vogelsbergkreis betreibe, würde sich Fritzlar für eine Zusammenarbeit der beiden Standorte anbieten. Über einen möglichen Verkauf der Lager und Logistikhallen in Fritzlar sei aber noch nicht entschieden.

Von den ehemaligen Lemmi-Mitarbeitern habe die KFG sieben für ihren Standort Lauterbach übernommen, drei arbeiteten im Fabrikverkauf in Fritzlar. Insgesamt hat die KFG nach eigenen Angaben 700 Mitarbeiter. Im Bereich Kinder- und Jugendkleidung sei der mittelständische Betrieb in Deutschland Marktführer, sagte Hepperle, in Europa bewege man sich in der Spitzengruppe.

Die Fashion Group bietet Kleidung vom Säugling bis zum Jugendlichen an. Eine Tochterfirma in der Türkei übernehme die Fertigung für Europa.

Die KFG-Designer für die Kleidung vom Grundschulalter bis 16 Jahre sitzen in Italien, die Kleidung vom Neugeborenen bis zum Kindergarten wird am Stammsitz in Pliezhausen entworfen.

Produzieren lassen die Schwaben in vielen Ländern, sei es China, Indien, Pakistan oder Tunesien. Als Lemmi den Geschäftsbetrieb aufgab, war als Grund angegeben worden, dass ein pakistanischer Lieferant überraschend die Preise erhöht habe. Das könne aufgrund der vielen Produzenten bei KFG nicht passieren, sagte Hepperle.

Auch in Bangladesch wird für KFG gearbeitet. Das Land war nach dem Einsturz einer Kleiderfabrik mit vielen Toten ins Gerede gekommen. Hepperle sagt: "Aus meiner Sicht wäre es eine falsche Reaktion, sich aus seinem solchen Land zu verabschieden." Die Arbeitsplätze würden dort dringen benötigt.

KFG sei schon seit vielen Jahren international tätig. Man habe die Erfahrung gemacht, dass Mitarbeiter nicht wiederkämen, wenn sie unzufrieden seien. Daher zahle man deutlich höhere Löhne als sonst in Bangladesch üblich.

Nicht davor gefeit sei man allerdings, wenn Aufträge von einem Lieferanten an den anderen weitergegeben würden. Wenn das - wie schonmal geschehen - passiere, könne man die Produktionsbedingungen nicht kontrollieren.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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