Jugendhilfe: Kreis muss 800 000 Euro mehr ausgeben als geplant

255 Kinder und Jugendliche in Heimen

Wolfhager Land. 255 Kinder und Jugendliche aus dem Landkreis Kassel leben in Heimen. Das ist ein Anstieg von zehn Prozent gegenüber früheren Jahren, berichtet Jugendamtsleiterin Sabine Scherer. Darüber hinaus leben 217 Kinder und Jugendliche in Pflegefamilien. Damit bestätigt sich auch im Wolfhager Land der bundesweite Trend steigender Zahlen, sagt Scherer weiter.

Die Erziehung in Pflegefamilien, Betreutes Wohnen, Jugendwohnen sowie in Kinder- und Jugendheimen führt das Jugendamt als so genannte stationäre Jugendhilfeeinrichtungen. Weil diese deutlich zugenommen hat, muss der Landkreis auch mehr Geld dafür ausgeben. Geplant waren für 2013 elf Millionen Euro, nun muss der Landkreis rund 800 000 Euro mehr für Hilfen zur Erziehung aufwenden.

Die Amtschefin nannte dafür zwei wesentliche Gründe. Zum einen gebe es die Gruppe junger, teilweise noch minderjähriger Mütter von Babys und Kleinkindern bis zwei Jahre. Die jungen Mütter, vielfach in wirtschaftlicher Not, bekämen ambulante Hilfe. Aber nicht immer reiche dies aus, um die Lage zu stabilisieren.

Die zweite Gruppe, so Scherer, bestehe aus Familien mit 13- bis 15-jährigen Jugendlichen. Es gebe Familien, in denen mehrere Dinge zusammenkämen - etwa schwierige finanzielle Lage aufgrund von Arbeitslosigkeit, Suchterkrankung oder psychischen Problemen. Aber auch erhöhte Anforderungen im Beruf oder ein zweiter Job spielen eine Rolle. Die schwierige Lage auf dem Arbeitsmarkt spiegele sich somit auch in den Zahlen wider, sagt die Leiterin des Fachbereichs Jugend.

Die Strukturen in diesen Familien seien teils so desolat, dass das Jugendamt in eskalierenden Situationen die Jugendlichen in Obhut nehme. Sie kommen in Pflegefamilien oder, wenn das nicht klappt, in eine stationäre Jugendhilfeeinrichtung.

Von Nicolai Ulbrich

Quelle: HNA

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