Tag der offenen Tür

Sonderausstellung des Stadtarchivs: Kinder packten Käse ein

Freut sich über das Bild, das ihn 1950 beim Festzug zeigt: Werner Fenge mit seiner Frau Marlis

Gensungen. Der Tag der offenen Tür im Felsberger Stadtarchiv war ein Renner. Mehrere hundert Besucher kamen. Es gab viel Lob und Anerkennung für die Präsentation und den Wunsch, diese zu wiederholen. Zeitweise war der Andrang so groß, dass Besucher in der Schlange bis auf die Straße standen.

Heimatgeschichte ist nichts für verstaubte Archive. In Felsberg lebt die Geschichte dank des rührigen Teams vom Stadtarchiv. Das präsentierte zum Tag der offenen Tür die Sonderausstellungen alte Molkerei sowie Handel, Handwerk und Gewerbe im Wandel der Zeiten. Und fast zu jedem Bild gab es eine kleine Geschichte. Die Familien Fröhlich hatten einst sechs Unternehmen in Gensungen. Der allererste Fröhlich war ein Schäfer.

Als Margret Klüber aus Heßlar im Kriegsjahr 1944 aus der Schule kam, mussten die Kinder nach dem Unterricht in die Molkerei und den Käse für den Export in Kisten packen, erzählt Margret Winter. Margret Klüber ist ihre Tante. „Der Prinz-Camembert war klasse, da kam kein anderer Camembert dran“, sagt Annchen Staib. Wie berichtet, war die Gensunger Molkerei die erste in Deutschland, die Camembert herstellen durfte. Die Camembert- und Milchzuckerfabrik Heinrich Prinz lieferte anno dazumal die Gensunger Kostbarkeiten sogar an den Königlich-Sächsischen Hof und an den Großherzog Hessischen Hof. Das geht aus einer alten Rechnung hervor.

„Schön, dass wir Anteil daran hatten, dass es in Frankreich so guten Käse gibt“, sagte Bürgermeister Volker Steinmetz, „das werde ich beim nächsten Freundschaftstreffen in unserer französischen Partnerstadt Vernouillet erzählen.“

Der Schreiner und Landwirt Werner Fenge (73) erinnert sich noch gut an die Grüne Woche vor 50 Jahren. Damals war er mit der Melsunger Landjugend in Berlin: „Am Stand der Molkerei Prinz begrüßte ich Verkäuferin Christa Vaupel und ihr Team, und wir haben natürlich auch probiert.”

Fenge ist auf einem Bild verewigt, das während des Festzuges 1950 entstand. Damals fanden in Felsberg noch regelmäßig Burgfeste statt. Viele Fotos sind echte Hingucker. Inge Fleischhut-Wolf, Eduard Tangel und Herbert Schmidt führten durch mehrere Geschichtsepochen. Viele Betriebe sind längst verschwunden. Geblieben sind schöne Fotos - zum Beispiel von den Schmieden Kropf und Wagner. Wenn die glühenden Eisenreifen auf die Holzräder gepresst wurden, mussten auch Nachbarn helfen, erinnert sich Inge Fleischhut-Wolf. Und: „Die leckersten Eisbeine mit Sauerkraut gab es bei Melitta Heinrich in der Krone.”

Das einst beliebte Gasthaus musste dem zunehmenden Verkehr weichen. Die Bäckerei Exner fuhr das Brot damals mit einem Wagen mit Pferdegespann auf die Dörfer, die 1827 gegründete Bäckerei Löber hatte schon bald nach dem Krieg das erste Auto, mit dem man über Land fuhr.

Viele Besucher erkannten sich wieder in Wieland Schallers Film „700 Jahre Stadtrechte Felsberg.“ Die 700. Wiederkehr der Verleihung der Stadtrechte war 1986 gefeiert worden. Wegen des starken Andrangs konnte nicht mal die Hälfte der Besucher den Film und die Präsentation sehen. Deshalb wurde der Wunsch nach einer Wiederholung geäußert.

Das Archiv-Team, dem Bürgermeister Steinmetz für das ehrenamtliche Engagement herzlich dankte, will über den Wunsch beraten.

Von Manfred Schaake

Quelle: HNA

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