16 Kinder aus Tschernobyl erholen sich derzeit in der Schwalm

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Fühlen sich wohl in der Schwalm: Viktoria Lhdanevich, Marina Djadina, und Natalia Lukaschevich.

Schwalm. 72 Stunden haben Viktoria Lhdanevich (22), Marina Djadina (22) und Natalia Lukaschevich (20) gemeinsam mit 16 Kindern und acht Erwachsenen im Bus aus Rudnja der Ankunft in der Schwalm entgegen gefiebert.

„Ich war schon mit fünf Jahren zum ersten Mal hier. Den vielen netten Gastgebern ist es zu verdanken, dass ich Deutsch studiere“, sagt Marina. Die junge Frau gehört zu den Gästen aus Rudnja, die seit vielen Jahren immer wieder drei erholsame Wochen in der Schwalm verbringen können. Ermöglicht wird der Aufenthalt von der Gastelterninitiative um Georg und Sigrid Ebener. Für die Unterbringung sorgen zehn Familien.

Die drei jungen Frauen, die Germanistik studieren oder gerade ihr Studium abgeschlossen haben, haben die Schwälmer längst in ihr Herz geschlossen. Und umgekehrt ist das auch der Fall: „Klaus Schuster und seine Frau sagen immer, da kommt unsere zweite Tochter“, erzählt Viktoria. Marina erinnert sich noch genau an ihren ersten Besuch: „Als erstes sind mir die Toiletten und die vielen Geschäfte aufgefallen.“ Und Natalia fügt hinzu: „Ich habe über die vielen Süßigkeiten gestaunt.“ Neu war für die drei auch die deutsche Küche. „Vor einem Jahr habe ich zum ersten Mal rohes Gehacktes probiert – das ist jetzt hier mein Lieblingsessen“, erzählt Viktoria. Dafür liebten die deutschen Gastgeber, wenn sie Pelmeni – in Wasser oder Brühe gekochte und mit Fleisch gefüllte Teigtaschen – zubereiteten.

Die Menschen in der Schwalm erleben die jungen Frauen als aufgeschlossen. „Alle sind hilfsbereit und so freundlich“, sagen sie. Natalia genießt die Kultur. „Und die Architektur“, erklärt die 22-Jährige. Alles sei gepflegt und liebevoll restauriert.

Wirte laden zum Essen ein

Viel Lob gibt es auch für die Gastelterninitiative. Jeder Tag ist geplant, die Gäste lernen bei Ausflüge die Umgebung kennen. Unterstützt werden die Organisatoren dabei nicht nur von Ehrenamtlichen, die privat ihre Gärten öffnen, zum Essen oder anderen Aktivitäten einladen, sondern auch von Schwälmer Gastwirten. Es hat sich etabliert, dass die Gäste aus Rudnja mittags zum Speisen eingeladen werden.

Doch den Gästen bietet sich in der Schwalm auch Verwunderliches. „Ich habe anfangs nicht begriffen, dass es in Deutschland so viele Radwege gibt. Sicher habe ich deshalb den Radlern öfters im Weg gestanden“, erzählt Viktoria Lhdanevich. Marina Djadina pflichtet ihr bei. „Bei uns zuhause sind die Straßen breiter. Aber mit dem Rad fährt eigentlich kaum jemand.“ Die drei Frauen kommen immer gerne wieder in die Schwalm: „Die Zeit vergeht hier wie im Fluge.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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