Kinderhilfswerk Global-Care arbeitet mit Flüchtlingen im Libanon

Fritzlar. Seit Monaten tobt der Bürgerkrieg in Syrien. Hunderttausende sind in die angrenzenden Länder geflüchtet. Alleine im Libanon sollen sich mehr als 100 000 syrische Flüchtlinge befinden.

Für sie werden keine Camps oder Zeltstädte eingerichtet. Beate Tohmé vom Kinderhilfswerk Global-Care befindet sich im Libanon, um sich ein Bild von den Hilfsmaßnahmen einer Kirchengemeinde im Bekaa-Tal zu machen. 

Seit Beginn der Krise betreut Pastor Elie Sassine 80 Familien in Zahle und Umgebung. Jetzt naht der Winter mit Schnee und Minustemperaturen. Zusammen mit dem Fritzlarer Kinderhilfswerk Global-Care plant er die nächsten Aktionen, um den Flüchtlingen zu helfen und besucht Betroffene wie Ranya (Name geändert).

Sie stammt aus einem christlichen Dorf in Syrien. Es gibt dort Obstplantagen und die meisten Menschen leben dort von der Landwirtschaft. "260 Männer und Frauen aus unserem Dorf wurden während ihrer Arbeit auf dem Feld gekidnappt. Erst durch die Intervention eines Bischofs kamen sie nach wochenlanger Ungewissheit wieder frei. Dann schlugen zwei Granaten in unser Haus ein. Das war zu viel. Wir schnappten unsere drei Kinder, stiegen ins Auto und flüchteten in den Libanon. Unterwegs fielen Bomben und wir hatten Angst. Doch wir fuhren weiter. Wir hatten keine andere Wahl", sagt Ranya.

Zwei Monate sind seit der Flucht vergangen. Ihr neues Zuhause ist die kleine Wohnung eines Cousins, der in Zahle als Pförtner arbeitet. "Dicht gedrängt sitzen wir in dem kleinen Raum auf zwei Matratzen, die tagsüber als Sofa dienen", berichtet Beate Tohmé von ihrem Besuch bei Ranya und ihrer Familie. Bevor Ranya weitererzählt, atmet sie tief durch: "Nachdem wir weg waren, haben sie unser Haus in Brand gesteckt. Mein Mann war Bauer und hat auf unserem Grundstück Obst und Gemüse angebaut. Jetzt sitzen wir hier und wissen nicht, ob wir je wieder zurück in unsere Heimat können."

Die Kinder gehen in Zahle in die Schule. "Das lenkt ab und gibt ihnen Halt. Doch mein Mann ist arbeitslos. Wie sollen wir die Kinder versorgen? Heute ist mein Cousin in die Hauptstadt Beirut gefahren, um Arbeit zu suchen. Falls er etwas findet, können wir in Zahle bleiben und seinen Job als Pförtner übernehmen." Ranyas Angst sitzt sehr tief. Ihren Namen soll soll Beate Tohmé nicht nennen und auch keine Fotos machen: "Wir wurden schon genug erniedrigt", sagt Ranya.

Mit dem Versprechen, bald Decken und Matratzen zu bringen, damit die Kinder nachts nicht frieren müssen, verabschiedet sich die Mitarbeiterin des Kinderhilfswerk Global-Care. (may)

Quelle: HNA

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