Der Zierenberger Herbert Ring kommt durch kuriose Umstände zu seiner Opel P4 Spezial-Limousine

Kindheitstraum in der Garage

Zierenberg. Dass ein Verwandtschaftsbesuch in Arnstadt in der ehemaligen DDR seinem Leben eine ungeahnte Wendung geben würde, hätte sich der Zierenberger Oldtimer-Liebhaber Herbert Ring wohl nie träumen lassen.

„Ich mag nur sehr alte Autos“, sagte er vor mehr als zwanzig Jahren zu dem zehnjährigen Ralph, als der ihm voller Stolz sein neues Porsche-Modellauto präsentieren wollte. Statt enttäuscht zu sein, hatte der patente Junge sofort eine Antwort parat: „Dann annoncieren wir das in der Zeitung.“ Natürlich habe er dem Gespräch keine Bedeutung beigemessen, sagt Herbert Ring heute. Doch nicht so Ralph: Mit 50 Mark Startgeld inserierte er eine Such-Anfrage beim „Thüringer Anzeigendienst“ und sammelte über Monate hinweg die Angebote. Dann rief er den westdeutschen Verwandten an: „Wann kommst du denn mal?“

Mehrere Oldtimer

Tatsächlich reiste der Zierenberger daraufhin erneut nach Thüringen und sah sich mehrere Oldtimer an. „Und der letzte, den ich sah – der war es dann einfach.“ In einer Garage bei Langenwetzendorf (Gera) fand er eine völlig heruntergekommene und absolut fahruntaugliche Opel P4 Spezial-Limousine, Baujahr 1937. „Für mich ist das der Urtyp eines Autos“, sagt Ring. „Wenn ich als Kind einen Wagen gemalt habe, dann ausschließlich mit dieser Karosserieform.“ Kurzentschlossen kauft er dem Besitzer den „totalen Trümmerhaufen“ für 4000 Mark ab. Nach der Wende überführte er ihn auf einem Anhänger nach Zierenberg.

2300 Stunden Arbeit

Dort blieb er zunächst einige Jahre unberührt stehen. „Erst als ich mir ausreichend Platz geschaffen und eine Halle mit Werkzeugen eingerichtet hatte, begann ich mit der Restauration“ sagt Ring. Zwar kam er als Meister und Kfz-Sachverständiger vom Fach, doch einen Oldtimer hatte auch er noch nie zuvor in Stand gesetzt. Zehn Jahre – von 1993 bis 2003 – dauerte es, bis der Opel seine Zulassung erhielt. In geschätzten 2300 Stunden Eigenarbeit nahm Ring das Fahrzeug auseinander, reparierte und säuberte die Einzelteile oder fertigte sie gleich komplett nach. Nur die Polsterung der Sitze und die Lackierung habe er nicht selbst erledigen können. „Zum Glück habe ich mit Fachleuten zusammengearbeitet, die mindestens genauso verrückt waren wie ich.“ Geschätzte 50 000 Euro hat er in all den Jahren in seinen Kindheitstraum investiert.

Mittlerweile steht die Opel Spezial-Limousine originalgetreu restauriert in der heimischen Garage. Nur bei der satten, weinroten Farbe erlaubte sich Herbert Ring eine Extravaganz: „Ursprünglich war der Wagen grau- eine Farbe, die mir zu trist und blass ist.“

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Spanel

Kommentare