Kirchberger Jugendclub steht vor Verkauf

Am liebsten würden sie bleiben: Die Mitglieder des Jugenclubs von links Fabian Kollmann, Anna Leithäuser, Christian Lecke, Florian Probst, Franziska Pfarr und Johanna Spengler auf ihrer Bühne. Foto: Dewert

Kirchberg. Die Jugendlichen in Kirchberg haben Angst vor der Obdachlosigkeit. Jedenfalls was ihre Freizeit angeht. Das Unternehmen Studio Orendt mit Sitz in Kirchberg und einer Dependance in Hamburg will und wird wohl das Gebäude erwerben, in dem derzeit der Jugendclub untergebracht ist.

Die Entscheidung des Verkaufs steht Anfang Februar auf der Tagesordnung der Stadtverordneten

Die Jugendlichen sehen ihren Treffpunkt in Gefahr. Die Stadt und die Firma Orendt streben eine einvernehmliche Lösung an. Orendt, eines der umsatzstärksten Unternehmen in Niedenstein, kann und muss sich am derzeitigen Standort vergrößern und gewährt dem Jugendclub eine mehrjährige Übergangslösung. Mindestens drei Jahre - so sagt Bürgermeister Werner Lange - könnte die Stadt den Raum weiternutzen.

Angemessener Ersatz

In dieser Zeit müsse es auch möglich sein, einen Ersatz für die Jungen und Mädchen zu finden. Einen angemessenen und gleichwertigen, wie Lange betont. „Wir brauchen die Lösung schon früher. Spätestens zur Stadtverordnetensitzung müssen die Jugendlichen die Sicherheit haben, dass es für sie eine Lösung gibt“, sagt Herbert Kimm, Kirchbergs Ortsvorsteher.

Die Jugendlichen sind sich nicht so sicher, dass dies gelingen kann: „Wir kennen doch unseren Ort“, sagt Christian Lecke vom Vorstand des Jugendclubs. Die Mitglieder sind realistisch: In der Ortslage gebe es keine geeigneten Räume und Probleme mit den Nachbarn seien programmiert. „Es wird schon mal laut, schließlich gibt es einige Konzerte im Jahr“, sagt Anna Leithäuser. Ein Neubau der Stadt sei unrealistisch, befürchten sie. Auch wenn dieser in Aussicht gestellt worden sei. „Die Stadt hat doch kein Geld“, sagt Johanna Spengler. Und einen Ersatz zu finden werde schwer, der Jugendclub ist nahezu perfekt, er hat eine Bühne, Theke, Kellerräume einen Vorraum und sogar einen Grillplatz.

Das Besondere am Jugendclub Treffpunkt ist, dass er sich weitgehend selbst trägt. Die Stadt zahlt drei Viertel der Heizkosten. Alle anderen Kosten wie Strom, Wasser, Müll, Abwassergebühren, Verbrauchsmaterial, Versicherungen und Inventar werden von den Mitgliedern finanziert.

Auch die Ausstattung mit Kicker, Beamer, Leinwand und vielem mehr haben die Jugendlichen selbst bezahlt, Bei Renovierungen packte das ganze Dorf mit an. Der Club fordert daher vor dem Verkauf die verbindliche Zusage der Stadt, einen adäquaten Ersatz zu bekommen. Seit 36 Jahren kümmere man sich weitgehend selbst um alles, jetzt brauche man die Stadt, sagt Lukas Pfarr, Vorsitzender des Clubs.

Der Club besteht seit 1975, am jetzigen Standort seit zehn Jahren. Derzeit hat der Jugendclub 25 aktive Mitglieder im Alter von 14 bis 22 Jahren und 70 passive Mitglieder. Der Jugendclub ist auch als Veranstaltungsort für 40. und 50. Geburtstage gefragt, dient den Kirmesburschen und dem Karnevalsverein als Übungsraum. (ddd)

Hintergrund

Sie haben Unterschriften gesammelt, sie schauen sich andere Gebäude an, sie haben Verständnis für die Situation von Orendt und sie suchen mit dem Ortsbeirat nach Alternativen: Die Mitglieder des Kirchberger Jugendclubs tun alles, um konstruktiv eine Lösung zu finden. „Wir hoffen jetzt auf die Stadt. Aus unserer Sicht können wir nichts mehr unternehmen“, sagt Christian Lecke. „Wir kämpfen auch nicht nur für uns“, sagt Anna Leithäuser, „in den Jahrgängen unter uns gibt es viele Kinder und Jugendliche, die auch einen Jugendclub benötigen.“ (ddd)

Das sagt Torsten Orendt: Den Standort erhalten

einesfalls wolle man die Jugendlichen verprellen, sagt Torsten Orendt. Die Jugendlichen würden sich toll und professionell verhalten und man selbst wolle das auch.

„Wir wollen keine verhärteten Fronten, sondern müssen unterschiedliche Interessenlagen unter einen Hut bringen“, sagt Orendt. Auf das vorgeschlagene Spielplatzgrundstück könnte man ein Wohnhaus bauen, aber kein geeignetes Gewerbeobjekt, auch die Anbindung sei nicht optimal. „Aber wir würden das Grundstück dazunehmen, damit die Stadt mehr Geld zur Verfügung hat, um einen neuen Jugendclub zu bauen.“

Für Orendt gehe es in Kirchberg um die Standortsicherung. Es sei schwer, qualifizierte Mitarbeiter zu bekommen und die Internetanbindung sei katastrophal. „Unsere Umsätze machen wir seit längerem in Hamburg. Der regionale Markt ist weitgehend zusammengebrochen.“ Das Unternehmen würde auch ein Ersatzgrundstück in Gudensberg nehmen, wenn die Stadt das derzeitige ablöst. (ddd)

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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