Funde während der Sanierung der Stadtkirche belegen, dass es Vorgängerbauten gab

Kirche schon vor St. Anna

Entdeckung hinter Gebälk: In der Nordwand wurde ein vermauertes spätromanisches Fenster mit nachträglich eingebautem, frühgotischen Maßwerk gefunden. Foto:  nh

Wolfhagen. Gebeine, Fundamentfragmente, Reste eines Beckens - derart spannende Entdeckungen hatte man nicht erwartet als man im Mai 2009 mit der Sanierung der Wolfhager Stadtkirche Sankt Anna begann.

Bei größeren Arbeiten im Gotteshaus im Jahr 1865 und 1959, erzählt Karl-Heinz Schubert vom Kirchenvorstand und mit der Historie der Kirche und der Stadt Wolfhagen vertraut, sei „nichts gefunden worden“. Deshalb sei man davon ausgegangen, dass man auch diesmal keine archäologischen Entdeckungen machen würde.

Ein Irrtum, wie sich herausstellte. Bei der Sanierung des Chorraumes stießen die Bauarbeiter im Juli vergangenen Jahres auf die Reste des Fundaments eines früheren Chores aus romanischer Zeit. Für Bauhistoriker und Archäologen, die hinzugezogen wurden, eine kleine Sensation.

Lage passt nicht

Der nächste Fund: Bei Baggerarbeiten im Eingangsbereich zum Kirchenschiff wurden Sandsteine im Boden freigelegt, die in Form eines Oktogons eine Art Becken umranden. Das Achteck, so Karl-Heinz Schubert, deute auf eine Taufsituation hin. Allerdings: „Die Lage passt baulich nicht in diese Kirche.“ Innerhalb der steinernen Umrandung wurden Keramikreste gefunden. Die Bruchstücke werden derzeit untersucht. Die zeitliche Zuordnung wird mit Spannung erwartet. Denn sie könnte zusätzlich belegen, wovon Archäologen und Bauhistoriker überzeugt sind: Es gab mindestens einen Vorgängerbau der im Jahr 1235 geweihten Stadtkirche.

Darauf deutet auch ein weiterer spannender Fund hin, der wichtige Aufschlüsse geben könnte: Ebenfalls bei Baggerarbeiten für die Verlegung der neuen Heizungstechnik wurde ein vermauerter Steinhaufen freigelegt, der, so Schubert, „sich nicht als Teil einer ehemaligen Mauer oder eines Pfeilers darstellte.“ Darunter war ein Mensch bestattet: Beim vorsichtigen Abtragen der umliegenden Erdschichten stießen die Archäologen auf Knochen: zwei Beine jeweils vom Knie abwärts. Den Rest des Skeletts erwartete man unter und auf der Rückseite des Steinhaufens.

Gefunden wurde aber nichts weiter. „Keiner weiß, warum der Rest fehlt“, sagt Schubert. „Aber man hat die beiden Unterschenkel. Mit den Knochen könnte man was machen.“ Damit meint er eine Untersuchung, mit der man bis auf acht Jahre genau ermitteln kann, wann der Mensch gelebt hat. Dafür fehlt jedoch das Geld. 850 Euro wären nach Angaben Schuberts dafür nötig, um dieses Geheimnis zu lüften und einen weiteren Hinweis zu erhalten, dass Wolfhagen wesentlich älter ist, als bisher bekannt.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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