Ab dem 1. Advent steht Gästen ein Rückzugsraum zur persönlichen Einkehr zur Verfügung

Kirche weiht Ort der Stille ein

In der Stadtkirche: Holzwürfel mit den Buchstaben für Liebe, Glaube, Hoffnung – dieses Bibelwort nimmt der Raum der Stille auf. Von links: Dekan Rudolf Schulze, Pfarrer Sigurd Sadoswki, Metallgestalter Michael Possinger, der Architekt und Bildhauer Andreas Tollhopf und die Kirchenvorstandsvorsitzende Barbara Fastenrath. Foto: Lache-Elsen/zal

Melsungen. Die Gestaltung in einer Kirche zu verändern, erfordert viel Fingerspitzengefühl. Seit Jahren liefen Überlegungen, wie das nördliche Seitenschiff der Stadtkirche Melsungen gestaltet werden kann, um einen Raum der Stille zu schaffen.

Viele Ideen wurden diskutiert, ehe schließlich ein Konzept des Melsunger Bildhauers und Architekten Andreas Tollhopf die Kirchenverantwortlichen begeisterte. Am 1. Advent wird der Raum in der Kirche eingeweiht, der sich durch seine künstlerische Ausstattung definiert. Ein Ort, der laut den Kirchenvertretern „zum persönlichen Verweilen und zum Gottvertrauen einlädt“.

Ort der Stille: Skizze von Architekt Andreas Tollhopf. Skizze: privat

Schon bei der Sanierung der Melsunger Stadtkirche habe man festgestellt, dass es in Melsungen einen Bedarf gibt an einem schönen kleinen Ort, an dem man „Ruhe und persönliche Einkehr finden kann“, erklärte Pfarrer Sigurd Sadowski, „um vielleicht ein Gebet und ein Gespräch zu Gott zu finden.“

Am 1. Advent wird der Raum der Stille eingeweiht, „an dem Tag, an dem die Tore geöffnet werden“, verweist Sigurd Sadoswki auf die symbolische Bedeutung des 1. Advents. Er ist der Beginn des neuen Kirchenjahres, an dem das bekannteste evangelische Lied „Macht hoch die Tür, die Tore weit“ mit der Erwartung auf das Kommen Jesu Christi gesungen wird - nach schweren Tagen im November mit Volkstrauertag, Buß- und Bettag und Totensonntag.

Seit sieben Jahren liefen Gespräche, was aus dieser Ecke in der Kirche unterhalb der Empore werden kann. Die Kirche wird täglich von Menschen besucht, während der Sommermonate sind es unter der Woche täglich 100, berichtete Dekan Rudolf Schulze. Bisher gab es ein Provisorium mit einem Tisch und einem Gebetbuch, in das Empfindungen und Gebete eingetragen wurden. „Es ist ein Ort der passiven Seelsorge“, beschrieb Schulze das Profil des Ortes.

Man wollte keine Verlegenheitslösung. „Es muss eine evangelische Handschrift tragen“, betonte Schulze. Bei der Renovierung des Dachstuhls fiel seinerzeit viel altes Holz an, das am Ende nicht verwendet werden konnte. Die Entscheidung für Holz als Material aber blieb bestehen.

Glaube, Liebe, Hoffnung

Einig war man sich, dass das an vielen Stellen erscheinende Bibelwort „Glaube, Hoffnung, Liebe“ dargestellt werden sollte. Zugleich wollte man den Kirchenbesuchern die Möglichkeit geben, eine Kerze zu entzünden. All diese Anforderungen vereint das Konzept von Andreas Tollhopf. Man brauchte einen Kerzenständer mit einer großen Kerze, die tagsüber als Zeichen der Hoffnung brennt. Dazu 19 Kerzenständer aus Stahl, winkelförmige Konsolen, die an den Wandflächen hängen.

Darauf steht jeweils ein Eichenholzwürfel mit einem Buchstaben, den Kerzenlicht anleuchtet. Zusammen ergeben die Buchstaben die Bibelworte Glaube, Hoffnung, Liebe. Komplettiert wird das Ensemble von einem Tisch, Pult und Gebetbuch. Eine vorhandene Nische nimmt einen Holzkasten auf, in dem Kerzen und ein Spendenbehälter stehen werden. Eine besondere Bedeutung kommt dem Gebetbuch zu. Die darin notierten Anliegen werden als Fürbitten in Gottesdienste aufgenommen. (zal)

Von Alexandra Lache-Elsen

Quelle: HNA

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