Wie gute Satire

Vom Gestalter zum Maler: Daniel Geibel entwickelt Kirmeskunst

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Im heimischen Atelier bei der Arbeit an seinem neuen Bild: Daniel Geibel malt, wenn er Zeit und Lust dazu hat, die Farben stehen immer griffbereit.

Ziegenhain. Mit Daniel Geibels Kirmeskunst ist es wie mit guter Satire: Das Lachen kann einem leicht im Hals stecken bleiben. Ein Besuch in seinem Atelier.

Geibels Arbeiten kommen einem zuerst bunt und unbeschwert vor wie ein paar Stunden auf dem Kirmesplatz. Bis man sich auf die Details der imponierend plakativen Motive auf Leinwand einlässt. Geibel bespachelt, bemalt, beklebt und besprüht sie. Mal hyperrealistisch, mal expressionistisch verfremdet. Popart und Grafik verbinden sich aufs Dekorativste.

Wie er sich selbst und andere sieht: Daniel Geibel mit seinem Selbstporträt (links) und einem Bild vom Schlagertitanen Dieter Bohlen (hinter ihm). Im Bild rechts: John Wayne mit Symbolen us-amerikanischer Show, Konsum und einer Weltkugel, die wie ein Luftballon zu platzen droht.

In Geibels Atelier finden sich Dieter Bohlen und der ehemalige US-Präsident George W. Bush vis-à-vis. John Wayne greift nach einem Burger, der an einem Weltenballon hängt. Wer zieht wen wohin? Geibel versteckt Fragen, die man nur entdeckt, wenn man will.

Vor großen Flächen hat der 43-Jährige keine Angst. Nach seiner Lehre als Schauwerbegestalter bei einem Göttinger Herrenausstatter ist er während seiner anschließenden Bundeswehrzeit in das Gestalten von Karussells hinein gewachsen. Damit, so stellte er irgendwann verwundert fest, verdiente er besser als mancher mit der Schaustellerei.

Seine Wurzeln würde Daniel Geibel nie verleugnen, obwohl oder gerade, weil er die Vorurteile der Leute gegenüber Schaustellern kennt. Mit seiner Kunst ruft er laut, woher er kommt und wohin er sich zugehörig fühlt. Aber er ist froh, nicht mehr „auf der Reise“ zu sein und dass seine beiden Söhne an einem Ort zur Schule gehen.

Je nach Saison arbeiten er und seine Frau Sabrina im eigenen Geschäft, zum Beispiel beim Kasseler Weihnachtsmarkt. So wurde er irgendwann Marktmeister, heute ist Geibel Eventmanager bei Großveranstaltungen wie dem Zissel und dem Stadtfest Kassel. Beim Hessentag ist Geibel der Spezialist für die Hessentagsstraße. Seit November brütet er über den Plänen für Herborn 2016. „Ich liebe die Abwechslung“, lacht Geibel, und gibt genauso strahlend zu: „Irgendwann kann ich dann keine Menschen mehr sehen.“

Dann bemalt Geibel vielleicht nach eigenen Ideen und Entwürfen ein neues Fahrgeschäft. Oder er baut einen Verkaufswagen in der eigenen Werkstatt. Oder er erweitert sein Anwesen in Ziegenhain, ehemals rein funktionale Hallen eines Baugeschäfts. Oder er malt. Die Farben in seinem großzügigen Atelier werden nicht trocken.

Nur eines will der Selfmademan, der Reisen liebt und New York bewundert, niemals für sich: einen immer gleichen Arbeitsalltag, jahrein, jahraus. Abwechslung, so bunt und überraschend wie seine Kirmeskunst, ist eben die Konstante in seinem Leben.

Quelle: HNA

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