Opfer der Prügelattacke erlitt einen Nasenbeinbruch

Kirmesschlägerei nach reichlich Alkohol: Gericht verhängt Geldstrafe

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Es ist Kirmeszeit in der Schwalm und wieder einmal musste sich das Jugendgericht in Treysa mit einer Schlägerei beschäftigen. Angeklagt war ein 19-Jähriger aus dem Altkreis Ziegenhain.

Laut Anklageschrift hatte der angehende Landwirt auf einer sogenannten Winterkirmes im Januar in Neustadt einen ebenfalls 19-jährigen Zimmermann gegen 1.30 Uhr mit der Faust niedergestreckt. Dabei habe das Opfer einen Nasenbeinbruch und Schmerzen erlitten, so die Staatsanwaltschaft.

Der Tatvorwurf sei eigentlich so nicht richtig, erwiderte der Angeklagte. Er habe zwar zugeschlagen, aber nicht aus purer Bosheit. Zu der Situation sei es gekommen, weil das betrunkene Opfer ihn provoziert habe. „Ich selber war noch recht nüchtern“, meinte der 19-Jährige.

Als der Zimmermann ihn gegen einen Zeltpfosten geschubst habe, sei er mit dem Kopf angeschlagen und habe im Fallen einmal zugelangt: „Ich wollte nicht so treffen, wie ich getroffen habe. Ich habe mich in der Situation bedrängt gefühlt.“

„Wenn du in der Schwalm eine aufs Maul haben willst, dann musst du nur um halb zwei auf eine Kirmes gehen“, kommentierte der Richter den Sachverhalt kopfschüttelnd und verwies auf seine 30-jährige Berufserfahrung.

Als der Heranwachsende den Schlag im weiteren Verlauf der Verhandlung als Notwehrsituation zu rechtfertigen versuchte, erhielt er vom Vorsitzenden Richter erst einmal einen Schnellkurs in Sachen Recht. Als Notwehr bezeichne man eine Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff abzuwehren, erklärte der Jurist: „Es war keine Notwehr, sondern die falsche Entscheidung in dieser Situation.“

Das Opfer des Schlages sah die Tat aus der Distanz betrachtet eher als ganz normale Auseinandersetzung unter Burschenschaftlern und hatte augenscheinlich wenig Interesse an einer Strafverfolgung. Darüber hinaus konnte er im Prinzip keine Angaben zu dem Vorfall machen: „Ich weiß von dem Abend nicht mehr viel, ich war alkoholisiert.“

Von anderen habe er erfahren, dass der Angeklagte an das Bierfass wollte und er ihn daraufhin weggeschubst habe, sagte der Zimmermann: „In der Bewegung kam dann die Faust.“ Als das Gericht wissen wollte, ob die Tat vermeidbar gewesen wäre, musste der Mann lachen: „Ja. Wenn einer von uns nüchtern gewesen wäre.“

Da der Tatverlauf dank der umfassenden Aussagen von Täter und Opfer hinreichend geklärt werden konnte, verzichteten alle Prozessbeteiligten auf die Anhörung der sieben geladenen Zeugen. Am Ende musste der 19-Jährige jeweils 300 Euro an das Opfer und eine soziale Einrichtung bezahlen.

„Ballt die Fäuste zukünftig in den Hosentaschen. Trinkt nicht soviel, dann kommt so etwas nicht vor“, gab der Richter den beiden Streithähnen und ihren Freunden mit auf den Weg aus dem Gerichtssaal.

Da das Opfer kein gesteigertes Verfolgungsinteresse zeigte und der Angeklagte geständig war, wurde das Verfahren gegen die Zahlung von 600 Euro vorläufig eingestellt.

Quelle: HNA

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