Otto Bläsing ist seit 50 Jahren Organist der Kirche in Bad Emstal-Sand

Mit Kissen und Passion

Ein Leben für die Kirchenmusik: Otto Bläsing ist seit 50 Jahren als Organist in Bad Emstal tätig. Foto:  zhf

Bad Emstal. Otto Bläsing knipst den kleinen Schalter seines Heizkissens an. Kalt ist es in der Sander Kirche. Der 76-Jährige weiß nur zu gut, wie er es sich auf seiner kargen Holzbank gemütlich macht. Viele Stunden seines Lebens hat er hier schließlich verbracht. Sonntag für Sonntag. Seinem Tag.

Auch in diesen Tagen sitzt er auf der Holzbank. Er feiert - seit 50 Jahren ist er Organist. Einen Gottesdienst zu seinen Ehren hat es vor zwei Wochen schon gegeben, in dem Kirchenmusikdirektor Bernd Geiersbach einmal hochgerechnet hat, wie viele tausend Stunden Bläsing an der Orgel verbracht, wie viele tausend Liedstrophen er begleitet und wie viele Predigten er gehört hat. Dabei war das anfangs ganz anders gedacht.

Als der leidenschaftliche Musiker am 29. September 1961 erstmals an der Kirchenorgel Platz nimmt, soll er eigentlich nur die Urlaubsvertretung für seine damalige Klavierlehrerin übernehmen. Daraus sind fünf Jahrzehnte geworden, und auf die ist der rüstige alte Herr stolz.

Aufgeregt

Aufgeregt sei er gewesen, als er damals die Steintreppen hinaufstieg. Daran erinnert er sich noch ganz genau. Welche Lieder er zu spielen hatte, das weiß er hingegen nicht mehr. Gern denkt er zurück an die vielen Jahre seines musikalischen Wirkens, das Pfarrerin Dr. Gisela Natt als „geistliches Tun“ bezeichnet, die Musik als „eine ihm von Gott geschenkte Gabe“. Die Gabe scheint ihm in der Tat in die Wiege gelegt zu sein, denn schon sein Vater spielte mit Vorliebe Orgel. Als der starb, war Bläsing gerade einmal fünf Jahre alt, das Orgelspiel aber verbindet sie noch heute. Wenn er die Lötzerich-Orgel zum Klingen bringt, dann vergisst der ehemalige Landwirt alles um sich herum. So geht es auch dem Rest des Bläsing-Clans. Bis auf Ehefrau Brunhilde haben alle ihre Liebe und Passion am Musizieren für sich entdeckt, zwei Töchter sind ebenfalls als Organistinnen tätig. „Meine Frau genießt lieber, einer muss ja auch zum Applaudieren da sein“, sagt er lachend.

Lieblingslied

Gelegenheiten dazu hat seine Frau reichlich, denn im Hause Bläsing wird musiziert, wann immer die Familie zusammenkommt. So soll es auch immer bleiben, selbst wenn er sich nun ganz langsam aus der Organistenrolle zurückzieht. Viel Heiteres wird da gespielt, aber auch das ein oder andere Kirchenlied darf nicht fehlen. „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ etwa, eines seiner Lieblingslieder. Dann ist es fast wie in der Sander Kirche. Nur das Heizkissen, das braucht Otto Bläsing in der warmen Stube nicht anzuknipsen.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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