Kita-Projekt im Wolfhager Land: Armen Kindern eine Chance geben

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Proben fleißig für ihren Gottesdienst: die Jungen und Mädchen der Kindertagesstätte Dörnberg mit (von links hinten) Pfarrer Josef Natrup, Nicole Schaub (Kita Ippinghausen), Helga Waldeck (Kita Dörnberg) und Cathrien Hennies (Förderverein Kita Dörnberg).

Wolfhager Land. „Mami, warum können wir das nicht bezahlen?“ Worte aus einem Kindermund, die traurig stimmen. Jedes sechste Kind in Deutschland ist von Armut betroffen. Nicht umsonst sind die Worte auch Titel eines Projekts des Kirchenkreises.

Auch in den Kindertagesstätten der Region ist das Problem längst angekommen. „Nimmt man die aktuellen Erhebungen als Grundlage, sind von 65 Kindern in unserer Einrichtung elf betroffen“, sagt Helga Waldeck, Leiterin der evangelischen Kindertagesstätte im Habichtswalder Ortsteil Dörnberg. Eine Zahl, die durchaus realistisch und Grund für sie sei, sich seit rund zwei Jahren für das Projekt stark zu machen.

Gemeinsam mit ihren Kolleginnen aus Niederelsungen, Wettesingen und Ippinghausen sowie den dazugehörigen Kirchengemeinden hat Waldeck die Kinderarmut in den Fokus ihrer täglichen Arbeit gerückt. Über Bilderbücher führte sie die Jungen und Mädchen ans Thema heran, vertiefte durch Gespräche und allerlei Aktionen.

Auch Eltern wurden mit einbezogen, etwa durch Gesprächsrunden zum richtigen Umgang mit Konsum. „Wir wollten erreichen, dass noch immer existierende Vorurteile ausgeräumt werden und wir alle sensibler mit dem Problem umgehen.“ Auch wenn sich die Armut oft nicht öffentlich zeige, sei sie verdeckt doch spürbar.

Geld für Angebote

Etwa, wenn Eltern einen Ausflug nicht zahlen, oder Kinder aus finanziellen Gründen an besonderen Angeboten nicht teilnehmen könnten. Hier setze das Projekt an, um allen Kindern die gleiche Chance auf ihrem Weg ins Leben zu ermöglichen. Auf Festen sorgen selbstgebackene und gekochte Leckereien für Einnahmen, die Kleinen selbst regten an, Spielsachen für den guten Zweck zu verkaufen.

Ein Engagement, das Dekan Dr. Gernot Gerlach glücklich stimmt: „Ich bin den Kindertagesstätten dankbar, weil sie das brennende Thema von Armut und Ausgrenzung in unserer Region mit den Kirchenvorständen, dem Kirchenkreis, dem Diakonischen Werk und dem Fachverband Evangelischer Kindertagesstätten bearbeitet haben und so viele Anregungen für das Miteinander in den Kitas und in unseren Kirchengemeinden und Kommunen gegeben haben.“

Spielfest

Als vorläufigen Höhepunkt laden die beteiligten Kindertagesstätten zu einem Gottesdienst ein. Am Donnerstag, 20. September, soll ab 17 Uhr in der Wolfhager Stadtkirche nicht nur die Geschichte „Jesus segnet die Kinder“ nacherzählt, sondern auch viel musiziert werden - mit Instrumenten, die es ohne das Projekt nicht gegeben hätte.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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