Ausstellung informiert über das Leben gehörloser Schüler in Homberger Familien

Kittel als Schuluniform

Interessante Ausstellung: Luise Holfeld und Volker Kehl mit Exponaten des taubstummen Zeichen- und Werklehrers Erich Lometsch. Foto: Ehl-von Unwerth

Homberg. Mit ihren charakteristischen Armbinden waren sie einst eine Selbstverständlichkeit im Stadtbild: Schulen für gehörlose Kinder haben in Homberg eine lange Tradition. Daran erinnert eine Sonderausstellung zum Clobesmarkt in Homberg.

Werden die Schüler heute mit Bussen aus ganz Nordhessen zur Hermann-Schafft-Schule gebracht, lebten sie seit den 1870er-Jahren bis zum Bau der Internatsunterkunft in den 1960er-Jahren größtenteils in Homberger Familien. Diese Zeit steht im Mittelpunkt der Ausstellung.

Monate lang gesammelt

Über Monate haben Luise Holfeld und Volker Kehl, unterstützt von Karl Otto Schmitt, Lydia Köhler sowie der Familie Jacob, Informationen zusammengetragen. Eine wichtige Grundlage waren Gespräche mit Zeitzeugen, sagen die beiden Initiatoren: „Wir haben uns nicht allein mit Darstellungen aus Büchern und Schriften zufrieden gegeben.“

Beide haben eine persönliche Beziehung zum Thema. So war Volker Kehls Onkel Ernst August Kehl einst Direktor der Taubstummenanstalt, während Luise Holfelds Ehemann Werner als Lehrer gehörlose Schüler unterrichtete.

Mit einem Augenzwinkern erinnert sich die Hombergerin an dessen „Schul-Uniform“, wie sie es nennt: Weiße Kittel schützten damals die Kleidung der Lehrer vor der feuchten Artikulation der Schüler beim Erlernen der Lautsprache. Solche Hinterlassenschaften wies auch der ausgestellte dreiteiligen Artikulationsspiegel auf, in dem sich die Schüler während ihrer Übungen von allen Seiten betrachtet konnten.

Mit weiteren Berichten von Pflegeeltern und Schülern, Informationen zur Entwicklung von der 1838 gegründeten Taubstummenanstalt bis zur heutigen Hermann-Schafft-Schule sowie einem Beitrag über die katholische Pfarrkirche Christus Epheta als Patenkirche der Gehörlosen Deutschlands zeigt die Ausstellung viele Facetten des Themas.

Daneben wird an bekannte gehörlose Einwohner Hombergs wie den Töpfer Wilhelm Schaake, den Lehrer und Künstler Erich Lometsch, Steinbruchbesitzer Georg Metz sowie Taubstummenlehrer und Heimatdichter Erich Ruppel erinnert. Filmbeiträge runden die Ausstellung ab.

• Sonderausstellung „Homberg und seine Gehörlosen – Gelebte Integration“ am Sonntag, 8. Dezember, 11 bis 17 Uhr im Heimatmuseum Homberg. Führungen für Gruppen und Schulklassen möglich bis einschließlich 20. Dezember nach Absprache: Volker Kehl, Tel. 0 56 81/36 55, Luise Holfeld, Tel. 05681/27 63.

Von Sigrid Ehl-von Unwerth

Quelle: HNA

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