Tonnenschwere Eisenglocken läuten in der Wolfhager Stadtkirche

Klang auf Gottes Worte

Große Glocke, lauter Klang: Werner Kepper (links) und Werner Nolte aus dem Kirchenvorstand mit der größten Glocke im Glockenstuhl der Wolfhager Stadtkirche. Fotos:  Michl

Wolfhagen. Wenn Gott reden will, programmiert Gisbert Mrasek die Glocken. Der Hausmeister der Evangelischen Kirchengemeinde Wolfhagen bringt die Glocken der Wolfhager Stadtkirche zum Klingen und Schwingen.

Das Tagesgeläut hallt um 7, 11 und 18 Uhr durch die Wolfhager Innenstadt, samstags ertönt das Nachmittagsgeläut um 16 Uhr oder um der Gemeinde einen besonderen Anlass ankündigen: Wie, neben den Gottesdiensten, Taufen, Trauungen, Beerdigungen und andere kirchliche Veranstaltungen.

Gisbert Mrasek bringt die schweren Glocken per Knopfdruck in Gang. Bis Ende 1950 musste der letzte Wolfhager Glöckner, Heinrich Güde, die Glocken noch mit seiner eigenen Muskelkraft in Bewegung setzen. Er zog an fast 40 Meter langen dicken Seilen, die durch kleine Öffnungen in den Böden der einzelnen Turmstockwerke vom Glockenstuhl bis in den Vorraum der Kirche hingen. War er einmal unaufmerksam, konnte es passieren, dass er vom Seil gut zwei Meter hoch mit in die Luft gezogen wurde.

Fast 800 Jahre haben die Mauern der Wolfhager Stadtkirche auf dem Buckel, die drei Glocken wurden jedoch erst vor 91 Jahren in der Glockengießerei der Gebrüder Uhlig in Apolda aus Eisen gegossen – die größte wiegt bei einem Durchmesser von 2,07 Metern 3,81 Tonnen, die kleinste ganze 1,1 Tonnen bei einem Durchmesser von 1,37 Metern.

Ihre Vorgänger fielen der Munitionsherstellung im 1. Weltkrieg zum Opfer: Die Bronzefglocken aus dem Mittelalter wurden während des Ersten Weltkrieges eingeschmolzen. Verschont blieb nur die im 14. Jahrhundert gegossene Hochzeitsglocke. Sie hängt heute im Regionalmuseum Wolfhager Land. Trägt in Spiegelschrift die lateinische Inschrift „ES (AES) SUM CONFECTUM SI DUM TRA(H)OR ADVOVO RECTUM AD SACRA VENTRUM SINE SPE SI RESPUO DURUM“ = „Ein Erz bin ich, gegossen, recht zu klingen, wenn ich gezogen werde, zum Gottesdienst rufe ich den, der rechten Sinnes kommen will, doch ohne Hoffnung, wenn ich den Verhärteten zurückweise.“ Diese Glocke erklang im Ton dis. Ihre eisernen Nachfolger sind harmonisch in den Tönen C, E und G abgestimmt, können aber klanglich Bronzeglocken nicht das Wasser reichen.

Außen, am hohen Stadtkirchenturm, schwingt eine weitere Glocke: die Tageszeitglocke. Sie wird heute ebenfalls elektronisch geschaltet.

Neben dem kirchlichen Geläute wurden im Mittelalter die Stadtkirchenglocken aber auch dann eingesetzt, wenn in der Stadt ein Feuer ausgebrochen war oder sich feindliche Heerscharen der Stadt näherten. Das Geläut sollte Bewohner warnen oder die Brandschützer alarmieren.

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Von Reinhard Michl

Quelle: HNA

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