Klassentreffen der Maler

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Aus der Malschule Willingshausen: Petra Jähnke aus Berlin mit ihrem Bild. Interpretation eines Gemäldes von Fritz Schnitzler (1851-1920) in Komplementärfarben.

Willingshausen. Vor 40 Jahren wurde die Malschule gegründet, am Sonntagnachmittag kamen aus diesem Anlass knapp 80 Kunstinteressierte aus ganz Deutschland nach Willingshausen in das Gerhardt-von-Reutern-Haus.

In der Mehrzahl handelte es sich um ehemalige und aktive „Schüler“ der Willingshäuser Malschule und so war die Jubiläumsfeier in gewissem Sinne auch eine Art Klassentreffen. „Die Malschule ist eine Bereicherung für Willingshausen und eine der drei künstlerischen Säulen der Malerkolonie, sie ist Teil des kulturellen Lebens“, so Bürgermeister Heinrich Vesper in seinen Grußworten.

Ein bis zwei Wochen dauern die Kurse in Willingshausen in der Regel. „Viele Teilnehmer sind Wiederholungstäter und betrachten die Schwalm mittlerweile schon als Malheimat“, wie die Leiterin der Malschule Ulrike Schulte mit einem Augenzwinkern erklärt. „Urlaub machen und dabei malen“, so bringt die Berlinerin Petra Jähnke aus Berlin das Erfolgsrezept der Schule auf den Punkt.

Werke von sechsundsechzig Absolventen hat Ulrike Schulte zu einer kleinen aber feinen Austellung zusammengestellt. „Die Ausstellung ist quasi eine Hommage an die alten Künstler der Malerkolonie“, so Ulrike Schulte. Mit anderen Augen betrachteten die engagierten Freizeitmaler dabei die Werke von Carl Bantzer, Robert Sterl, Otto Ubbelohde, Hermann Kätelhön und anderen Willingshäuser Malern und interpretierten diese neu. Und so entstand eine große Vielfalt an individuellen Werken. Mal streng am Original orientiert, mal mit sehr großer künstlerischer Freiheit und erst auf dem zweiten Blick mit der Vorlage vereinbar. Dabei kamen nahezu alle malerischen und zeichnerischen Techniken zum Einsatz: Öl, Acryl, Aquarell und Gouache, Kreiden, Farb- und Grafitstifte ebenso wie Collagetechniken.

Trotz großer Konkurrenz in der Kunstszene sieht Kursleiterin Schulte die künftige Entwicklung der Malschule Willingshausen überwiegend positiv, nur die Frage der Unterkünfte bereitet ihr etwas Kopfzerbrechen: „Wir brauchen für unsere Schüler insbesondere hier im Ort direkt mehr Fremdenzimmer. Leider hat erst vor kurzem wieder eine Familie die Zimmervermietung aufgegeben und auf lange Sicht könnte dies den Fortbestand der Malschule gefährden.“

Das wäre tatsächlich schade, denn die Freizeitmalerei bietet neben dem künstlerischen Schaffensprozess die Möglichkeit der sozialen Begegnung und verhilft vielen ein Stück weit zu innerer Ruhe und Ausgeglichenheit abseits vom Alltagsstress, wie es Bürgermeister Vesper zusammenfasste.

• Die Ausstellung der Malschule Willingshausen ist die nächsten drei Wochen für die Öffentlichkeit im Gerhardt-von-Reutern-Haus zugänglich. Für Samstag, 2. November, lädt Ulrike Schulte alle Kunstinteressierten um 17 Uhr zu einer Bildbesprechung, dem „Bilderschwatz“, ein.

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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