Wer Deutsch lernt, geht in die richtige Richtung – ein Besuch im Integrationskurs

Klassenziel: Integration

Wolfhagen. Nein, ihren Namen will sie nicht in der Zeitung lesen. Die 29-jährige Kosovo-Albanerin aus Wolfhagen, verheiratet, drei Kinder, schüttelt den Kopf. Geht es um sie, die Migranten, häufen sich Negativschlagzeilen und Heldenepen in den Medien. Die Geschichte der Wolfhager Migrantin taugt für weder noch – aber beweist: Integration ist keine Glückssache.

Für die junge Frau, die ihren Namen nicht nennen will, ist Integration ein langer Weg. Er begann vor sechs Monaten, in einem kleinen Klassenraum an der Eichendorffstraße 7 in Wolfhagen. Fünf Stunden täglich, von Montag bis Freitag nimmt die Migrantin dort an einem Integrationskurs teil.

In zwölf Monaten soll sie lernen, sich in Deutschland zurechtzufinden: im Arbeitsamt, beim Elternabend, im Baumarkt.

Das Bundesamt für Migration nennt das Integrationskurs. Antje Reiners, Kursleiterin in Wolfhagen, nennt es Sprachkurs. „Ich bin in erster Linie eine Deutschlehrerin“, sagt sie.

Antje Reiners steht am Pult, vor ihr zehn Migranten mit fünf verschiedenen Muttersprachen. Die Deutschlehrerin spricht nicht Arabisch mit ihren Schülern – und auch nicht Russisch oder Türkisch.

Sie spricht die Sprache der Bilder: Ihre Finger kreisen suchend über das Pult, greifen zu und heben das Bild einer Bohrmaschine in die Höhe. „Ich“, sagt Reiners, den Zeigefinger auf sich gerichtet, „bohre mit der Bohrmaschine.“ Sie wiederholt den Satz. Einmal. Zweimal.

Sprachlos in der Fremde

Der Satz echot durch die Klasse. Einige murmeln leise, andere sprechen laut und deutlich. Aus der hintersten Reihe erklingt die selbstbewusste Stimme der Kosovo-Albanerin. Ein hörbarer Erfolg. Noch vor sechs Monaten war die junge Mutter sprachlos in ihrer neuen Heimat: „Die deutsche Sprache war ihr fremd, das lateinische Alphabet unbekannt“, sagt ihre Deutschlehrerin Reiners. Die Fremde begann vor der eigenen Haustür.

Die Migrantin dachte damals: „Ich bin in Deutschland, also muss ich Deutsch können“. Heute sagt sie diesen Satz auf Deutsch. Die Briefe, die ihre Kinder aus der Schule mitbringen, sie liest sie – und versteht. Beim jüngsten Termin im Arbeitsamt hat man ihr gutes Deutsch gelobt. Es ist ein erster Schritt, weiß die Migrantin. Ein erster Schritt auf einem langen Weg.

Von Pia Schleichert

Quelle: HNA

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