Klassische Bäcker verschwinden: Im Altkreis von 23 Bäckereien noch neun übrig

Wolfhager Land. Das Sterben der traditionellen Bäckereibetriebe im Altkreis Wolfhagen ist dramatisch. In den vergangenen 20 Jahren haben fast zwei Drittel aller Betriebe geschlossen.

Nach Zahlen der Handwerkskammer gab es 1994 noch 23 Bäcker im Altkreis, die ihre Backwaren selbst herstellten. 2014 sind davon noch neun übrig. Das Bäckerhandwerk ist im Umbruch: Grund für die Entwicklung sei ein härterer Wettbewerb durch Filialisten, die nicht vor Ort herstellten und der Verkauf von Backwaren in Tankstellen und Supermärkten, sagt Erich Horbrügger, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Trotz dieser Entwicklung gebe es nicht weniger Geschäfte, in denen der Kunde Backwaren kaufen könne. Relativ stabil sind laut Horbrügger auch die Beschäftigungszahlen im Bäckereihandwerk. Viele arbeiteten inzwischen in Großbäckereien.

„Es hat ein Strukturwandel stattgefunden“, sagt die stellvertretende Obermeisterin der Bäckerinnung, Birgit Jenner aus Niederelsungen. Um sich in dem Wettbewerb behaupten zu können, müssten sich Bäcker spezialisieren oder weitere Standbeine aufbauen. In Niederelsungen habe sie zum einen eine Stammkundschaft, die froh über das einzige Geschäft im Dorf sei, zum anderen biete sie weitere Dienstleistungen wie Bankgeschäfte, Reinigung und Paketdienst an.

Auf Individualität und besondere Kundenfreundlichkeit setzt man bei der Bäckerei Briesemeister in Wolfhagen. „Wir bieten Brotspezialitäten an oder backen Brot nach Kundenwünschen“, sagt Anja Briesemeister. Zum Beispiel für Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Briesemeisters haben ein kleines Cafe´eingerichtet und fahren mit einem Bäckereifahrzeug in die Dörfer. Zum Konkurrenzdruck durch die Filialisten komme auch das Problem, Mitarbeiter zu finden, so Briesemeister. Die Arbeitszeiten schreckten junge Leute ab.

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

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