Klaus Eilers gibt nach 50 Jahren Amt des Kantors in Borken ab

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Zuhause auf den schwarzen und weißen Tasten: Klaus Eilers war 50 Jahre lang Kantor in Borken, jetzt gibt er das Amt ab

Borken. Klaus Eilers ist seit sage und schreibe 50 Jahren Kantor der Borkener Kirchengemeinde, jetzt gibt er das Amt ab und wird am Sonntag in einem Festgottesdienst verabschiedet.

Im Wohnzimmer von Klaus und Charlotte Eilers in Borken hängen Fotos von den elf Enkeln. Wenn sie darauf zeigen, nennen sie nicht nur die Namen der Kinder, sondern auch Instrumente: Blockflöte, Oboe, Fagott. Ganz klar, die Eilers sind eine musikalische Familie. Kein Wunder bei dem Großvater.

Mit B-Prüfung

Eigentlich hat die Borkener Gemeinde keine Kantorenstelle, denn diese Bezeichnung ist für hauptamtliche Kirchenmusiker mit A- oder B-Prüfung reserviert. Der heute 75-Jährige hat diese Qualifikation.

Eilers studierte Kirchenmusik in Schlüchtern, doch irgendwann bekam er eine Entzündung in den Armen. Ihm wurde klar, dass er die Musik nicht zu seinem Hauptberuf würde machen können. Die B-Prüfung legte er trotzdem ab und wählte den Lehrerberuf.

Dieser führte ihn nach Borken, wo er von 1962 bis 1999 Realschüler unterrichtete. Und er spielte die Orgel, die als Königin der Instrumente bezeichnet wird, in der evangelischen Kirche. Ihre große Variationsbreite hat es Eilers angetan.

Er war es auch, der dafür sorgte, dass die Orgel durch die Firma Noeske (Rotenburg) renoviert wurde, sodass sie den Ansprüchen des Organisten entsprach. Er selbst erhielt den Titel Kantor 1971 ehrenhalber vom Bischof verliehen. In anderen Gemeinden beschweren sich die Organisten manchmal, dass ihnen nur selten gedankt wird. In Borken sei das anders, beteuert Eilers. Dort sei es inzwischen üblich, dass die Gottesdienstbesucher bis zum Ende des Orgelnachspiels sitzen bleiben - keine Selbstverständlichkeit.

Choräle in Variationen

Eilers spielte häufig eine Choralvariation, die inhaltlich zum Gottesdienst passte. In einigen Fällen hielt er sogar mal den ganzen Gottesdienst, weil Not am Mann war.

Zu seinen Lieblingskomponisten zählt der 75-Jährige, der aus einer musikalischen Familie stammt, Johann Sebastian Bach, Max Reger und einige aus der Moderne. Der Musik Lebewohl sagen wird Eilers auch im Kantorenruhestand nicht. "Ab und zu werde ich noch Orgel spielen", sagt er.

Und dann sind da ja noch die Enkel, die den Opa gerne mal um Rat fragen, wenn sie beispielsweise in der Schule eine Oper komponieren. Deborah, die auch im Abschiedsgottesdienst spielen wird, will Musik studieren.

Langweilig wird es also wohl nicht werden für Klaus Eilers, den Mann der vielen Töne.

Von Olaf Dellit

Zur Person

Klaus Eilers wurde 1936 in Schleswig als erstes von sechs Kindern geboren. Als Fünfjähriger saß er erstmals am Klavier, mit 13 spielte er im Kindergottedienst, später in regulären Gottesdiensten. Er studierte Kirchemusik in Schlüchtern und Realschullehramt in Jugenheim.

Ab 1969 war er Lehrer in Borken und Kantor. Er leitete mehr als 30 Jahre den Kirchenchor. Aktiv war er unter anderem auch im Kirchenmusikausschuss der Landeskirche und in der Landessynode. Eilers ist verheiratet, hat drei Kinder und elf Enkel.

Am Sonntag, 7. Oktober, wird er mit einem Gottesdienst ab 14 Uhr in der Borkener Stadtkirche verabschiedet. Daran wirken Eilers Enkel Deborah und Judith, Hans-Lduwig Schlott und Michael Schmidt sowie der Kirchenchor Borken mit. Anschließend gibt es einen Empfang zu Eilers Ehren im Gemeindezentrum. (ode)

Quelle: HNA

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