Kleidung im Mittelalter-Stil: Auch Brennnesseln als Stoff

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Schneiderin Elke Mittendorf stellt Kleidung im Mittelalter-Stil her

Allmuthshausen. Wer denkt denn bei Hanf oder Brennnesseln schon an Kleidungsstücke? Elke Mittendorf tut es, denn für die Schneiderin von mittelalterlichen Gewändern gehören diese Stoffe zur Grundausstattung.

Damit ihre Erzeugnisse so echt wie möglich werden, benutzt sie neben den üblichen Materialien, wie Leinen und Wolle, auch exotische Stoffe wie Brennnessel. „Dieser spezielle Stoff ist über 100 Jahre alt. Ich habe ihn bei einer Haushaltsauflösung gekauft“, erzählt die gebürtige Baden-Württembergerin. 

 Weil die Technik, aus Brennnesseln einen tragbaren Stoff herzustellen, in Europa verlernt wurde, sei er heute sehr selten und teuer, erklärt die Schneiderin. „Nur in Nepal und Indien beherrscht man diese Technik noch.“ 

In den Berufszweig der Gewandschneiderin rutschte die 51-Jährige durch Zufall. „Ich habe 2004-mal einen Artikel über den Homberger Mittelalterverein der Ritterschaft zu Hohenburg in der HNA gelesen. Die haben noch Mitglieder gesucht und ich fand das ganz interessant.“ Da die Schneiderin zu dem ersten Treffen gewandet gehen wollte, schneiderte sie sich ein passendes Outfit. Die Mitglieder waren davon sofort begeistert und machten sie zu ihrer inoffiziellen Vereinsschneiderin. 

Die Arbeit hat ihr dann so viel Spaß gemacht, dass sie ihr Hobby zum Beruf machte und die Gewandschneiderei Buckingen eröffnete. Mit der Arbeit sei aber auch eine Menge Aufwand verbunden. „Ich muss recherchieren, wie die Kleidung früher aussah und welcher Stoff damals verwendet wurde.“ Die 51-Jährige musste das Schneiderhandwerk völlig neu lernen und hat sich dabei alles selbst beigebracht. 

Sie hat ein Regal voll mit Geschichtsbüchern, in denen sie nachliest, wenn sie den Auftrag für ein neues Gewand bekommt. Eine normale Robe besteht aus drei Rechtecken – zwei für die Arme und eins für den Oberkörper. Die Kunst bestehe darin, diese zeitgemäß zu gestalten, erklärt Mittendorf. 

Mit einem Maßband und Nähnadeln ausgestattet sitzt die Schneiderin an einer ihrer drei Nähmaschinen und verbindet die Rechtecke zu einem neuen Kleidungsstück. Die Aufnäher für ein Gewand, dass Mittendorf für die Kasseler 1100-Jahr-Feier im September gerade herstellt, muss sie extra färben, damit der Farbton zum Kleiderstoff passt. Dafür benutzt sie Früchtetee. 

„Ich habe es erst mit Schwarztee probiert, aber da wurden die Aufnäher zu dunkel. Mit Früchtetee bekomme ich den richtige Rotton hin“, erklärt die 51-Jährige lächelnd.

Von Benjamin Kling

Quelle: HNA

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