Branntwein-Monopol fällt

Kleine Brennereien stehen vor dem Aus

Schwalm-Eder. Es hat sich ausgebrannt im Landkreis, alle fünf landwirtschaftlichen Brennereien werden ab Oktober keinen Alkohol mehr herstellen oder haben bereits aufgegeben.

Grund ist das Auslaufen des Branntweinmonopols, da es gegen EU-Recht verstößt, dies hatte der Europäische Gerichtshof entschieden.

Die Kartoffel- und Getreidebrennereien der Region, die alle an landwirtschaftliche Betriebe angeschlossen sind, bekamen fast 100 Jahre lang ihren Rohalkohol vom Staat abgekauft. Nun müssten sich die Landwirte eigene Vertriebswege suchen. „Das Branntweinmonopol ist eine sehr deutsche Geschichte“, sagte Martin Häusling aus Oberurff, Mitglied der Grünen im Europäischen Parlament. Vor dem Steuerzahler sei es nicht mehr zu rechtfertigen gewesen.

Die Bundesmonopolverwaltung für Branntwein zahlte mit 110 bis 120 Euro pro Hektoliter deutlich über dem Preis des Weltmarktes - laut EU eine unrechtmäßige Subvention. Die Monopolverwaltung setzte bundesweit den Preis fest und bestimmte, welche Menge Rohalkohol jede Brennerei produzieren durfte.

„Für einige Betriebe bricht bis zur Hälfte ihres Einkommens weg“, sagte Manfred Hoffmann, Geschäftsführer des Verbands der südwestdeutschen landwirtschaftlichen Brenner. Dem Verband gehören zwölf hessische Brennereien an. Vor zehn Jahren kündigte die Europäische Union die Übergangsfrist bereits an: „Das Aus kam für keinen überraschend“, sagte Häusling. Für Jahre lang erhalten die Landwirte nun eine Ausgleichszahlung, um sich ein neues Standbein aufbauen zu können.

Für Rohalkohol gebe es keinen Markt mehr, so Häusling. „Die Brenner müssen sich danach richten, was sie absetzen können“, sagte der EU-Parlamentarier. Als Beispiel dafür führt er regionale Spezialitäten an. Verbandsmitglieder überlegen, eine Gesellschaft zu gründen.

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Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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