Frederike Vidal und Judith Groth stellen in der Kunsthalle Willingshausen aus

Kleine Denkmäler setzen

Verborgen: So lautet der Titel der Ausstellung der Kasseler Künstlerinnen Frederike Vidal (links) und Judith Groth, die noch bis Mitte März in Willingshausen zu sehen ist. Foto: Rose

Willingshausen. Vidal & Groth – dahinter verbergen sich Frederike Vidal und Judith Groth. „Verborgen“ heißt auch die aktuelle Ausstellung der Kasseler Künstlerinnen, die am Freitagabend in der Willingshäuser Kunsthalle eröffnet wurde. Kuratiert wurde die Schau von der Leiterin Kati Werkmeister, die die Damen in einem Künstlergespräch vorstellte.

Der Raum wirkte auf die Besucher zunächst einmal vollkommen verändert, er war im besten Wortsinne transformiert worden. „Wir hatten zunächst an hochgezogene Wände gedacht, um etwas zu verbergen. Aber wir fanden die Vorhänge dann doch eleganter“, erklärten die Künstlerinnen. Einen Raum neu zu gestalten, bedeute immer auch, die Geschichte umzuschreiben. Im Zentrum der Ausstellung – Fotografien, Texte, Plastiken und Fundstücke – standen Geschichten, Gruppen, die meist am Rande der legitimierten Geschichtsschreibung auftauchen. Verborgen blieb den Gästen deshalb auch ein Kunstwerk, das die Künstlerinnen zuvor eingegraben hatten. „Etwas im Verborgenen zu halten ist als Synonym zu verstehen: Es bedeutet, ein Werk zu beschützen, es auszusetzen, den Blicken zu entziehen“, erläuterte Frederike Vidal.

Dafür zeigten die Frauen in der Ausstellung die Spaten, mit denen die Grube ausgehoben worden war. Etwas zu vergraben oder zu begraben, solle als Anregung verstanden werden: „Kann man nicht auch eine Geschichte verschweigen? Oder andersherum gefragt: Hat es einen Mehrwert, sie zu erzählen?“, fragten die Frauen.

Inspiriert von einem Buch des Historikers John Boswell, das den gesellschaftlichen Umgang mit Homosexualität beschreibt, hinterfragten die Künstlerinnen die soziale Toleranz. Sie fanden heraus: „Homosexualität gab es schon, bevor es das Wort dafür gab.“ Und weil die Geschichten meist von Männern handeln, legten die beiden das Sinnbild der Frau – eine Muschel – neben das Buch.

Kopien im Buchumschlag

Immer wieder tauchen in den Objekten der Künstlerinnen Fotokopien von Zeitungsausschnitten auf. „Auch die werden häufig im Buchumschlag verborgen.“ Auf einer Fotografie beschäftigt sich das Duo mit Trampelpfaden. „Es ist kein natürlicher Weg, sondern die Kulturleistung des Menschen, sich den kürzesten, den bequemsten, den schnellsten oder einfachsten Weg zu suchen“, sagte Judith Groth. Den Frauen geht es um Geschichten von Gruppen, „die eher zu kurz kommen“. „Wir wollen sie behutsam darstellen, zum Nachdenken anregen, ihnen kleine Denkmäler setzen.“ • Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 16. März

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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