Glasfenster der Kirche wurde von einem international bekannten Künstlers gestaltet

Kleine Kirche, große Kunst

Blick in die Kirche: Hinter dem Altarraum ist das Fenster zu erkennen. Foto: Pachali/nh

Werkel. Schon beim Betreten des Kirchenschiffes fällt das 65 mal 140 Zentimeter kleine Glasfenster im Chorraum hinter dem Altar ins Auge, besonders wenn die Morgensonne die Farben zum Leuchten bringt. Es ist der einzige Schmuck des schlichten Kirchenraumes der 1951 wieder aufgebauten Werkeler Kirche.

Viele Fragen konnten bisher nicht beantwortet werden: Wer hat das Fenster geschaffen? Was stellt es dar? Wann wurde es eingebaut? Es gibt keine Notiz des alten Pfarrers, die damaligen Kirchenvorstände sind längst verstorben, und das Kirchenamt konnte auch keine Antwort geben.

Nach langer vergeblicher Suche auch im Internet wurde dort ein Hinweis entdeckt, und in der Landesbibliothek konnte reichlich Literatur zum Künstler und seinem umfangreichen Werk ausgeliehen werden.

Perfektion auf kleiner Fläche

Der Glasmaler Hans Gottfried von Stockhausen schuf 1957 das Fenster und brachte seine Darstellung des Weltenrichters perfekt auf diese relativ kleine Fläche, und der Gudensberger Bäckermeister August Brede ermöglichte mit einer großzügigen Spende die Finanzierung.

Das Werkeler Fenster gehört zu seinen frühen Werken und entstand in der Werkstatt Sail in Stuttgart. In den 50er-Jahren führte er Aufträge in verschiedenen Kasseler Kirchen aus, in der Martinskirche gestaltete er 1958/59 fünf große Chorfenster im Format 1,60 mal 12,50 Meter. Auch in unserer näheren Umgebung schmücken sich Kirchen mit seinen Werken die in den 60er-Jahren entstanden, in Wolfhagen, Bad Hersfeld und Wetter bei Marburg.

In von Stockhausens Werkverzeichnis steht „Christus der Weltenrichter“ in der Dorfkirche in Werkel bei Kassel gemeinsam mit großen Kirchen in bekannten Städten. Um nur einige zu nennen: das Ulmer Münster, die Hamburger Hauptkirche St. Katharinen, Kirchen in Bremen, Bremerhaven, Lübeck, Mainz, Bonn, München, Hannover und andere.

Nach der Wende schuf er 1997 zwei Fenster für die Thomaskirche in Leipzig. Einige seiner über 500 Werke, hauptsächlich Kirchenfenster, führten ihn ins Ausland nach Amerika, England und Irland.

Wer hätte gedacht, dass das kleine Fenster das Werk eines später bekannt und berühmt gewordenen Glasmalers ist? Nun werden die Gottesdienstbesucher sicher noch intensiver das Fenster betrachten.

Von Anneliese Pachali

Quelle: HNA

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