Ex-Neukirchenerin Bettina Koyro kümmert sich seit 20 Jahren um die Armen in Brasilien

Die kleine Mutter Teresa

Bettina Koyro (Zweite von re.) will mit dem Nahrungssicherheitsrat in Juiz de Fora die Ernährung der Armen verbessern. Foto: privat

Neukirchen. „Wie Mutter Teresa bin ich nicht“, sagt Bettina Koyro. Aber wer ihren Lebenslauf kennt, stellt fest, dass sie sich dennoch aufopfernd engagiert. Die ehemalige Neukirchenerin kümmert sich seit fast 20 Jahren in Brasilien um arme Menschen. Zurzeit kämpft sie in Juiz de Fora dafür, dass die Bewohner der Stadt genügend zu essen bekommen.

Der Ort hat 520 000 Einwohner. „166 000 Menschen in der Stadt sind arm, 23 000 Menschen hungern besonders“, sagt Bettina Koyro. Viele davon seien nicht in der Lage, sich selbst zu versorgen, Mangelerscheinungen seien an der Tagesordnung.

Für viele ginge es nur darum, wie und wann sie das nächste Mal etwas zu essen bekommen. Das Land sei zwar reicher geworden und es habe sich Vieles verbessert, aber die Kluft zwischen Arm und Reich sei dennoch groß.

Militärdiktatur wirkt nach

Es gebe Gesetze für Nahrungssicherheit und das Geld sei auch da, aber es werde oft nicht dafür ausgegeben. Viele Verwaltungen weigerten sich. Man spüre dort die Nachwirkungen von 20 Jahren Militärdiktatur. „Dagegen kämpfen wir an“, sagt die 45-Jährige. Seit Jahren arbeitet sie für die Pastoral da Crianca, die von Pro Brasilia unterstützt wird.

Im Moment ist Koyro Vorsitzende des Rats für Nahrungssicherung und hat schon erste Ergebnisse erzielt. Zurzeit wird eine Volksküche in der Stadt eingerichtet, 3000 Mittagessen sollen täglich an Arme verkauft werden. Das Mahl soll einen Real, umgerechnet 60 Cent, kosten. „Das kann sich jeder leisten,“ meint Koyro. Demnächst solle auch die Tafelarbeit in der Stadt verbessert werden. 60 Tonnen Nahrung landeten jeden Monat im Müll.

Kindheit in Brasilien

Ihr Engagement für Brasilien kommt nicht von ungefähr. Im Grundschulalter lebte sie für drei Jahre mit ihrer Familie in Sao Paulo. Die große Armut im Land hatte sie damals tief berührt. Seitdem war ihr klar, dass sie unbedingt wieder nach Brasilien wollte.

Nach dem Abitur an der Melanchthon-Schule in Steinatal setzte sie ihren Wunsch um. 1984 absolvierte sie ein Praktikum in Favela Monta Azul, einem Slumviertel in Sao Paulo, wo eine Waldorfschule gegründet worden war. Dort entstand ihr Interesse für den Beruf der Hebamme.

Diesen Beruf erlernte sie ein Jahr später in Berlin, heiratete einen Brasilianer und ging mit ihm 1992 zurück nach Südamerika. Die Familie landete in Mirantao, einem Gebiet mit 5000 Menschen, wo Koyro ihr erstes Entwicklungshilfeprojekt leistete.

Eigentlich wollte sie nur als Hebamme arbeiten, wurde dann aber immer öfter bei Krankheiten um Rat gefragt. In dieser Zeit baute sie eine kleine Krankenstation auf und legte einen Kräutergarten mit Heilpflanzen an. Das nächste Krankenhaus war drei Stunden vom Ort entfernt.

Mit Behörden verhandeln

2003 zog die Familie wegen der Ausbildung der zwei Kinder nach Juiz de Fora. Koyro betreute dort zunächst Familien, insbesondere Schwangere, Mütter und Kinder. Sich um die Nahrungssicherheit der Menschen zu kümmern, ist relativ neu für sie. Dafür muss sie die Gesetze studieren, damit sie sich bei den Behörden durchsetzen kann.

Zurzeit ist sie aber gerade in der Schwalm, besucht die Eltern und versucht Spender für ihre Sache zu gewinnen.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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