Kinder, die nach der Suzuki-Methode lernen, präsentierten ihr musikalisches Können

Noch zu klein für normale Stühle: Die vierjährige Anna-Tessa Morgentau nahm auf einem kleinen Schemel Platz und musizierte voller Hingabe. Fotos:  zhf

Wolfhagen. Anna-Tessa Morgentau sitzt hinter ihrem Notenständer. Ihr Cello hält sie fest in der Hand. Konzentriert verfolgt die Berliner Künstlerin die winzigen Zeichen auf dem Papier, die ihr den Weg durch die musikalischen Darbietungen weisen.

Nichts besonderes, ließe man Anna-Tessas Alter einmal außen vor. Vier Jahre ist sie alt und dürfte die jüngste Mitwirkende sein beim bunten Abend der fünften Wolfhager Suzuki-Tage am Samstag in der Kulturhalle.

Die Stühle allesamt noch zu groß für die kleine Virtuosin, macht sie es sich auf einem blauen Holzschemel bequem. Fotoapparate klicken, Filmkameras surren. Stolz sind sie, die vielen Eltern vor der Bühne. Denn Anna-Tessa ist nicht allein im kleinen Orchester. Mehrere Dutzend Nachwuchstalente sind gleichsam groß, wenn sie zu ihren kleinen Geigen und Celli greifen.

„Das musikalische Empfinden ist wichtig, wenn es um das Erlernen einer Sprache geht, die von jedem und überall verstanden wird.“

Malte Klages Musikschulleiter

Eindrucksvoll stellen die Jungen und Mädchen unter Beweis, dass Shin’ichi Suzukis Methode funktioniert. Der japanische Violinenpädagoge hat sie in Anlehnung an elementare Prinzipien des Zen-Buddhismus sowie an das Prinzip entwickelt, das dem kindlichen Erwerb der Muttersprache zugrunde liegt. Suzuki zog den Schluss, dass Kinder das Spielen eines Instruments ebenfalls durch Hören und Nachspielen erlernen sollen, wie die Sprache. Auf dieser Grundlage können Kinder bereits im Alter von drei oder vier Jahren mit dem Unterricht beginnen. So wie Anna-Tessa, die auf ihre Noten dennoch nicht verzichten will.

Die Aufführung, bei der neben dem Mini-Orchester auch andere Ensembles von der Violinengruppe der Musikschule Hofgeismar bis zum Cello-Trio „Free Strings“ faszinieren, ist ein voller Erfolg. Anna-Tessa und ihre kleinen Kollegen liefern als Zugabe sogar noch Queens „We will rock you“, bei dem nicht nur gespielt, sondern der berühmte Takt kräftig mitgestampft wird.

Schöpferische Kräfte

Hier wird Suzukis Ansatz deutlich: Musik wirkt unmittelbar auf die Sinne, setzt Gefühle frei, vermittelt Freude und weckt schöpferische Kräfte. „Das musikalische Empfinden ist wichtig, wenn es um das Erlernen einer Sprache geht, die von jedem und überall verstanden wird“, sagt Musikschulleiter Malte Klages. Er freue sich, dass so viele Kinder nun diese gemeinsame Sprache sprechen und gemeinsam musizieren. „Die Lehrer der Musikschule helfen auf diesem Weg und übernehmen dabei verschiedene Rollen vom beratenden Pädagogen, über Vermittler von Vorstellungen bis hin zum instrumentalen Spielpartner und schöpferischen Inspirator“, so Klages. Rollen, die eines Tages auch eines der jungen Talente übernehmen könnte, vielleicht sogar die kleine Anna-Tessa.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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