Die Gemeinde schrumpfte

Kleiner Friedhof bei Wettsingen: Juden aus Herlinghausen bestattet

Kieselsteine statt Blumen auf den Gräbern: Dieser Brauch soll an die Wüste erinnern, in der es keine Blumen gab. Auf dem Friedhof bei Wettesingen gibt es noch elf Grabsteine.

Wettesingen. Auf halber Strecke zwischen Wettesingen und Herlinghausen gibt es einen kleinen Jüdischen Friedhof. Nur über Feldwege ist das von einer Hecke eingefriedete Gelände zu erreichen. Bestattet wurden hier die verstorbenen Juden aus Herlinghausen, einem kleinen Stadtteil von Warburg.

Die Wettesinger Juden hingegen fanden ihre letzte Ruhestätte in Breuna.

Der Anteil der jüdischen Bevölkerung an den Einwohnern Herlinghausens war zu Beginn des 19. Jahrhunderts recht hoch. Im Jahr 1802 sollen von den 395 Bewohnern des Ortes 121 Juden gewesen sein, viele von ihnen hatten eine Landwirtschaft und handelten mit Getreide und Vieh. Franz-Josef Dubbi, Leiter des Museums im Stern in Warburg, glaubt, dass die Nähe zu Hessen und das damit verbundene rege Geschäftsleben ein Grund für das Erstarken zu einer großen Jüdischen Gemeinde war.

Den „neuen Wettesinger Friedhof“ gab es in jenen Jahren noch nicht, der wurde erst später angelegt. Die Autorin Margit Naarmann hält es für möglich, dass er im Jahr 1835 gegründet wurde. Das schreibt sie in einem Aufsatz im „Historischen Handbuch der Jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe“.

Die Inschriften auf den Steinen lassen Bestattungen für die Zeit zwischen 1869 und 1913 erkennen. Das Flurstück, auf dem sich heute der Friedhof mit den erhaltenen elf Grabsteinen und einem Gedenkstein befindet, zählte einst zu Westfalen. Erst im Jahr 1873 sei es an Hessen übergegangen, sagt Dubbi. Bis zum Jahr 1835 sollen die Juden aus Herlinghausen auf einem Begräbnisplatz in Breuna bestattet worden sein.

Grabsteine instandgesetzt

Wie die meisten Jüdischen Friedhöfe ist auch jener zwischen Wettesingen und Herlinghausen im Eigentum des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden Hessen. Erst in den vergangenen Jahren wurden für 5000 Euro schadhafte Grabsteine instandgesetzt. Die Grabsteine der Herlinghäuser Juden ähneln sich in ihrer Gestaltung. Sie alle sind aus Wesersandstein gefertigt. Ihre schlichte Optik trägt der Annahme Rechnung, dass im Tode alle Menschen gleich sind.

Etwa ab Mitte des 19. Jahrhunderts verlor die Jüdische Gemeinde Herlinghausen zunehmend Mitglieder. Ein Teil verließ das Land in Richtung Amerika. Der Pferdehändler Sally Goldschmidt soll nach den Recherchen von Margit Naarmann im Jahr 1915 nach Paderborn gezogen sein, seine acht Kinder verzogen in andere Städte. Anfang der 1920er Jahre waren es noch zwei Familien, die in Herlinghausen lebten: die Kleeblatts und die van der Kops. Letztere sollen einige Jahre später nach Holland übergesiedelt sein. Sie wurden in Konzentrationslager deportiert und umgebracht.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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