Der ehemalige ZDF-Wettermann Dieter Walch sprach in Borken über die Zukunft

Klimawarner ohne Show

Wettermann zu Gast in Borken: Dieter Walch (früher ZDF) mit den Veranstaltern (hinten von links) Dr. Lothar Koch (Landwirtschaftsschule Fritzlar), Bianca Nägel (Agrartechnikerverband Fritzlar) Walter Gipper und Heinrich Schmeißing (Verein für landwirtschaftliche Fortbildung Ziegenhain beziehungsweise Fritzlar). Foto: Dellit

Borken. 27 Jahre lang war Dieter Walch regelmäßiger Gast in ungezählten Wohnzimmern. So lange hat er den ZDF-Wetterbericht moderiert. Walch tat das ohne Schnickschnack und Effekthascherei.

Und genau so ist der Diplom-Meteorologe auch heute noch, wenn er – wie gestern in Borken – Vorträge hält. Auf Einladung des Agrartechnikerverbandes Fritzlar und der Vereine für landwirtschaftliche Fortbildung war er ins Bürgerhaus gekommen, um über den Klimawandel zu referieren.

Walch sprach eine knappe Stunde ohne Manuskript, ohne Schaubilder, Filmchen und Bilder – ohne Effekte eben. Und dennoch war das, was der Diplom-Meteorologe zu sagen hatte, effektvoll. Walch beeindruckte die mehr als 250 Zuhörer mit einer Fülle an Daten und Fakten.

Keine erfreuliche Stunde

„Die nächsten Minuten werden nicht ganz so erfreulich verlaufen“, kündigte er schon zu Beginn seiner Rede an und zählte dann Folgen auf, die der Klimawandel für unsere Erde haben könnte. Dass dieses Wandel existiert, steht für Walch außer Frage. Die Menschen, die das bestritten, „sind keine Leute, die davon Ahnung haben“.

Zunächst erklärte er den Unterschied zwischen Wetter und dem Weltklima. Ein kalter Winter in Nordhessen habe mit dem Weltklima überhaupt nichts zu tun, das sich stetig erwärme. Der ehemalige ZDF-Mann legte die theoretischen Grundlagen, erläuterte die Gasarten, die das Klima beeinflussen und sprach von komplexen Klimamodellen. Ein Supercomputer mit der 40 000-fachen Leistung eines normalen PC brauche viereinhalb Monate um eine Temperaturprognose für das laufende Jahrhundert zu berechnen.

Je nach Modell könnte die jährliche globale Mitteltemperatur in diesem Jahrhundert um bis zu 6,4 Grad Celsius steigen. In der vergangenen eine Million Jahren habe es inklusive der Eiszeiten Schwankungen um sechs Grad gegeben. Allerdings hätten Pflanzen und Tiere 15 000 Jahre Zeit gehabt, sich darauf einzustellen.

Ein Jahrhundert reiche dafür längst nicht aus. Dürren, Überschwemmungen, wachsende Wüsten, Hungersnöte, starke Gewitter, Trinkwassermangel – Völkerwanderungen und „Kriege ungeahnten Ausmaßes“ als Folgen. All das deklinierte Walch durch, ganz nüchtern, fast trocken.

Erst bei den Fragen aus dem Publikum zeigte sich, dass Dieter Walch trotz der düsteren Prognosen nicht verzweifelt: „Ich bin großer Hoffnung, dass wir das Schlimmste noch vermeiden.“ Sei er vor Jahren noch für seine Thesen verlacht worden, so habe der Sinneswandel stark eingesetzt. Das lässt ihn hoffen.

Walch machte in seinem Vortrag klar, dass er heute Wichtigeres zu sagen hat, als zu beantworten, ob bei uns morgen die Sonne scheint oder ob es schneit.

Quelle: HNA

Kommentare