320-Seelen-Ort Moischeid ist einer der kältesten in Deutschland

Gilserberg. Menschen trifft Carsten Schmitz bei seiner Arbeit als Brief-Zusteller am Donnerstagmorgen in Moischeid kaum. Kein Wunder - gehört der Gilserberger Ortsteil doch nachgewiesenermaßen zu einem der kältesten Orte in Deutschland.

Gleich nach Funtensee und der Zugspitze, erklärte Wetterexperte Jörg Kachelmann im HNA-Interview. Wir haben uns am Mittag in dem 320-Seelen-Dörfchen umgesehen und gefragt, wie es sich im eisigen Moischeid lebt. Der Ort liegt auf 330 Meter am Fuße des Jeust.

Carsten Schmitz ist Wetter erprobt: „Ich hab das eben schon in der Metzgerei erfahren, dass Moischeid einer der kältesten Orte ist - heute morgen waren es minus 17 Grad“, erzählt er und klatscht in die behandschuhten Hände. Sein Postauto sei ein Diesel, und der fahre bis minus 23 Grad. „Ich habe damit kein Problem, es darf ruhig so bleiben“, sagt er.

Eingemummelt: Hannes Schorradt

Erfasst werden die Temperaturen und Wetterdaten auf der Wiese von Horst Kohl. Hier steht seit Jahr und Tag eine Station des Deutschen Wetterdienstes. Die Daten werden laufend nach Offenbach übertragen. „Dort an der ,Berghecke‘ direkt neben der Gilsa pfeift der Wind ordentlich rein - kein Wunder, dass dort sehr niedrige Temperaturen gemessen werden“, sagt Freddy Wurmbäck. Er selbst wohne seit 28 Jahren im Ort und habe sich längst an die Kälte gewöhnt.

Auch Philipp und Lena Pomorin macht der eisige Wind kaum etwas aus: Die beiden jungen Moischeider kommen gerade aus der Schule, steigen in der Ortsmitte aus dem warmen Bus aus. Dass die Zeitung über Moischeid berichtet, findet der Grundschüler spannend: „Kann ich das auch im Fernsehen sehen?“, will er wissen.

Doch zum Plaudern ist in der Kälte wenig Muße, flugs machen sich die beiden samt der Mama auf den Heimweg. „Bei diesen Temperaturen traut sich hier sonst keiner raus“, sagt Freddy Wurmbäck, Ehemann von Ortsvorsteherin Petra Wurmbäck.

Warum es gerade hier so bitterkalt wird - die Moischeider wissen es nicht. Aber weil sie ihr Mikroklima kennen, sorgen sie vor: Im Freibad bleibt das Wasser rund ums Jahr im Becken. Auf der Wasseroberfläche haben die Dorfbewohner rundum Holzbohlen befestigt - „damit das Wasser nicht zu stark gefriert und die Fliesen beschädigt“, erklärt Wurmbäck.

Für die knackigen Minusgrade entschädigt derweil die Sonne und der weite Blick Richtung Kellerwald. Im Flüsschen Gilsa strahlen Eisschollen mit der Sonne um die Wette. Bei ihm Zuhause wird dann auch schnell klar, dass sich die Dorfbewohner weiter auf Eiseskälte einstellen müssen. „Mit der Wetterstation wissen wir immer, was uns blüht“, sagt Freddy Wurmbäck. Sie zeigt für die kommenden Tagen bis minus 13 Grad an. Mindestens.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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