1940 richtete die Geheime Staatspolizei in Breitenau ein Arbeitserziehungslager ein

Das Kloster als Haftstätte

Das Kloster Breitenau und die documenta 13: Im Nordflügel des Kulturbahnhofs war im vergangenen Jahr eine Arbeit von Clemens von Wedemeyer zu sehen, die sich mit dem Kloster Breitenau auseinandersetzt: Im Bild Sequenzen aus 27 Minuten langen Filmen, die im Jahr 1945, 1970 und 1994 am Schauplatz Benediktinerkloster Breitenau spielen. Archivfoto: Malmus

Guxhagen. 1940 wurde im Kloster und damaligen Arbeitshaus Breitenau in Guxhagen von der Geheimen Staatspolizei Kassel ein Arbeitserziehungslager eingerichtet.

Diese Lager waren eine besondere Kategorie, die den Gestapo-stellen unterstanden und als Straflager für ausländische Zwangsarbeiter dienten, die sich dem Arbeitseinsatz in Deutschland widersetzt hatten. Die Gefangenen sollten in den Lagern unter KZ-ähnlichen Bedingungen für den erneuten Arbeitseinsatz gefügig gemacht werden.

Neben den ausländischen Gefangenen wurden in den Arbeitserziehungslagern aber auch deutsche Gefangene aus den verschiedensten Verfolgtengruppen inhaftiert. Im Arbeitserziehungslager Breitenau waren von 1940 bis zum Kriegsende 8300 Menschen inhaftiert. Die Höchstbelegung lag bei etwa 900 bis 1000 Gefangenen.

Über 20 Nationen

Unter den Häftlingen befanden sich etwa 7000 ausländische Gefangene aus über 20 Nationen und etwa 1300 deutsche. Die ausländischen Gefangenen stammten aus der Sowjetunion, Polen, Frankreich, den Niederlanden, Luxemburg, Italien und vielen anderen Ländern. Als Haftgründe werden in den Akten häufig „Arbeitsverweigerung“ oder „unberechtigtes Verlassen der Arbeitsstätte“ genannt. Viele von ihnen waren sehr jung; die größte Altersgruppe lag bei 17 bis 25 Jahren, aber es gab noch jüngere Häftlinge.

Im Arbeitserziehungslager Breitenau sollten die Gefangenen, in einem Zeitraum von ein bis zwei Monaten, gefügig gemacht werden, um sich danach bedingungslos dem Arbeitseinsatz unterzuordnen. Der Lageralltag war geprägt von harter Arbeit, Hunger, Misshandlungen und Schikanen. Die Gefangenen arbeiteten unter Bewachung in Werkstätten auf dem Gelände, aber auch bei Firmen, Bauern und Kommunen. Zur Unterbringung der Gefangenen wurden im Verlauf des Krieges fast alle Gebäude auf dem ehemaligen Klosterkomplex genutzt, einschließlich des Mittelschiffs der Kirche und der Stallungen. Die meisten Gefangenen wurden nach ihrer Haftzeit abgemagert und geschunden dem erneuten Arbeitseinsatz überstellt.

15-jähriger Häftling

Diejenigen, bei denen die Gestapo der Meinung war, sie würden sich weiterhin nicht unterordnen, wurden von Breitenau in verschiedene Konzentrationslager deportiert. So wurde am 16. Juli 1942 der 15-jährige russische Aleksiej Ch. in Breitenau eingewiesen, weil er von seiner Arbeitsstelle bei einem Bauern geflohen war, um in seine Heimat zurückzukehren.

Zwei Monate später, am 15. September 1942, kam er von Breitenau in das KZ Buchenwald. Unter den Gefangenen befanden sich auch polnische Zwangsarbeiter, die verhaftet und später ermordet worden sind, weil sie Liebesbeziehungen mit deutschen Frauen gehabt hatten.

Politische Gegner

Neben den ausländischen Gefangenen waren im Arbeitserziehungslager Breitenau auch etwa 1300 deutsche Gestapo-Gefangene inhaftiert, die vor allem aus ideologi-schen Gründen verfolgt worden waren. Unter ihnen befanden sich politische Gegner, evangelische und katholische Geistliche, Zeuginnen Jehovas, deutsche Frauen, die wegen Liebesbeziehungen mit ausländischen Zwangsarbeitern verhaftet worden waren sowie Juden, die aufgrund der Rasseideologie der Nazis verfolgt worden sind.

Eine große Anzahl dieser Gefangenen wurden von Breitenau in die Konzentrationslager Buchenwald, Ravensbrück, Dachau, Sachsenhausen und Auschwitz deportiert. Unter diesen Gefangenen befanden sich die evangelische Vikarin Katharina Staritz, die von Breitenau in das KZ Ravensbrück kam, und die jüdische Ärztin Lilli Jahn, die von Breitenau nach Auschwitz deportiert und dort ermordet worden ist.

Von Gunnar Richter

Quelle: HNA

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