Kloster Haydau: Herberge auch für Hindus

Rudolf Schulze

Morschen. Aus einem alten Kloster wird ein modernes Tagungszentrum. Welche Gotteserfahrungen sind dort noch möglich? Kann das Kloster Haydau gleichzeitig Denkmal, Kirche und Tagungszentrum sein? Um diese Fragen ging es am Sonntag bei einem Treffen in Morschen.

Eingeladen hatten das Evangelische Forum Schwalm-Eder und die Evangelische Kirchengemeinde Altmorschen. Rund 50 Mörscher nutzten die Gelegenheit zum Gebet, um einen Blick in die Baustelle zu werfen und an einer Diskussion teilzunehmen.

B. Braun baut die Klosteranlage zu einem modernen Tagungszentrum um. Seine Pläne stellte das Unternehmen am Sonntag erneut vor und zeigte auch, dass man die Anregungen aus Kirchenkreisen ernst nimmt: B. Braun-Vorstand Dr. Heinz-Walter Große nahm persönlich an der Diskussion teil.

Andachtsraum oder Garten

„Wir haben vor, die gesamte Weiterbildung in Haydau zu konzentrieren – und das weltweit“, sagte er. Dadurch wird das christliche Kloster auch zur Herberge für Kunden und Mitarbeiter mit anderer Religion. Und das Thema Glauben soll im Tagungszentrum nicht ignoriert werden: Ein interreligiöser Andachtsraum sei etwas, über das man durchaus diskutieren könne, erklärte Große.

Dekan Rudolf Schulze ging einen Schritt weiter: „Wie wäre es, wenn man auf dem großen Gelände einen Garten der Religionen anlegt, in dem Hindus, Buddhisten, Juden, Christen und Moslems eigene Areale gestalten können?“ Es gehe dabei nicht um Missionierung oder religiöse Werbung, sondern um Identitätsbestimmung.

Der Göttinger Theologe Professor Jan Hermelink erklärte, dass es nicht unbedingt spezifische christliche Gotteserfahrungen sein müssten, die man in dem Kloster hat. So wurde und wird der Engelssaal für Trauungen genutzt. „Auch wenn es keine kirchliche Hochzeit ist, hat eine Hochzeit immer viel mit Glaubenserfahrung zu tun.“

Damit das Kloster auch bei 35 000 Übernachtungen im Jahr ein Ort der Andacht bleibt, schlug er vor, beispielsweise in den Hotelzimmern eine Nische mit Kerze einzurichten.

Auch die Zuhörer durften Fragen stellen. Sie interessierten sich beispielsweise dafür, ob das Kloster auch weiter zur Besichtigung zur Verfügung steht. Laut B. Braun soll dies gewährleistet werden.

Von Göran Gehlen

Quelle: HNA

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