Gericht sprach einen Angeklagten frei

Vorwurf Körperverletzung: Kneipenbesuch mit Schlägerei

Treysa. Gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung lautete der Vorwurf gegen drei Angeklagte aus dem Altkreis Ziegenhain, die sich am Amtsgericht Schwalmstadt verantworten mussten.

Den 19 und 20 Jahre alten Angeklagten wurde vorgeworfen, beim Besuch einer Schwälmer Musikkneipe mehrere Personen mit Schlagwaffen und einer Flasche attackiert zu haben. Unter den Augen zahlreicher Schaulustiger hatte sich eine Schlägerei durch den Ort gezogen.

Nach einem Zeugenmarathon kam es zur Urteilsverkündung. Das Gericht sprach einen der drei Angeklagten frei. Eine Beteiligung des 20-Jährigen an der Schlägerei sei nicht festzustellen.

Einen der beiden 19-Jährigen, der einen Faustschlag gegen einen der Zeugen eingeräumt hatte, verurteilte das Gericht zu 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Zudem soll er am Projekt „Lernen durch Erfahrung“ teilnehmen.

Der dritte Angeklagte, der als äußerst impulsiv gilt und sich wegen eines weiteren Falles von Körperverletzung sowie Strafvereitelung, Beleidigung und Bedrohung vor Gericht verantworten musste, war strafrechtlich bereits mehrfach in Erscheinung getreten. Unter Berücksichtigung des letzten Urteils verhängte das Gericht gegen ihn eine Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten.

Für die Dauer von neun Monaten wird der 19-Jährige unter Vorbewährung gestellt. In dieser Zeit ist es ihm untersagt, Diskotheken und Volksfeste zu besuchen. Auch muss er, mit Ausnahme von beruflichen Einsätzen, nachts zuhause sein, ein Antiaggressionstraining absolvieren und weiterhin eine Fußfessel tragen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

„Ich denke, Sie sollen sich die Bewährung verdienen“, sagte der Staatsanwalt zum 19-Jährigen. Dessen Anwalt verwies auf widersprüchliche Aussagen der Hauptbelastungszeugen und das „ungleiche Kräfteverhältnis“ der Angeklagten gegenüber der Ortsansässigen, die sich als „unschuldig“ dargestellt hätten. „Neutrale Zeugen“ hätten ausgesagt, die Waffen hätten sich auf Seiten der Ortsansässigen befunden.

Für Wirbel sorgte ein heimlich mitgeschnittenes Telefonat einer Zeugin, das laut Verteidiger indirekt die Falschaussage eines der Hauptbelastungszeugen aufzeige. Die Zeugin könne über das Telefonat berichten, sagte der Richter. Aufgrund der Zeugenaussagen sah er einen Faustschlag des 19-Jährigen gegen einen Zeugen als bestätigt.

Harsche Kritik am Verhalten der Schaulustigen übte der Staatsanwalt. Das halbe Dorf habe draußen gestanden und gegafft, weil man es als prima Abendunterhaltung aufgefasst habe. Auch auf Seiten der Zeugen sei man nicht gerade um Deeskalation bemüht gewesen.

Kritisiert wurde auch das Verhalten der Polizei, die nach Angaben mehrerer Zeugen mit großer Zeitverzögerung eingetroffen und zunächst nur vorbeigefahren sei.

Von Kerstin Heist

Quelle: HNA

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