Knochenarbeit im Kloster

Aufmerksame Besucher: Horst Schramm und Friedrich Keim informieren sich bei der Eröffnung der Sonderausstellung im Regionalmuseum Wolfhager Land . Fotos: Dreisbach

Wolfhagen. In einer Zeit von E-Book und Hörbuch ist es für die Museumsmacher nicht einfach, eine Ausstellung zu präsentieren, die sich mit der Buchherstellung vor Erfindung des Buchdrucks beschäftigt. Dem Regionalmuseum Wolfhager Land ist es trotzdem gelungen - mit gutem Erfolg. Auch junge Leute waren am Eröffnungsabend dabei.

Vor dem Besuch der Sonderausstellung Skriptorium, die bis zum 30. Oktober zu sehen ist, gab es ein kurzweiliges Programm, aufgelockert durch die Wenigenhasunger Spielleute Marina Bock, Nora Tanneberger, Mark-Andre Abel und Christian Schüssler , die mittelalterliche Trinklieder, Tanzlieder und geistliche Lieder vorstellten.

Museumsleiterin Beate Bickel dankte den ehrenamtlichen Mitarbeitern Wolfgang Schiffner, Rudi Möse und Bernd Klinkhardt, die maßgeblich daran beteiligt waren, dass die Ausstellung termingerecht fertig wurde. Und Wolfgang Schiffner und Dr. Jürgen Römer, der ehemalige Museumsleiter, haben aus ihren eigenen Sammlungen Urkunden und andere Schriftstücke zur Verfügung gestellt. So gibt es in der Ausstellung einen Römer-Raum und einen Schiffner-Raum.

Nach einem kurzen Überblick und dem Hinweis darauf, dass es bei den kommenden Wolfhager „Entdecker-Tagen“ mit dem Buchdruck weitergeht - in der Stadtkirche wird eine Bibel-Druck-Presse aufgestellt - führte Dr. Alice Selinger in die Ausstellung ein. Sie machte auf eine lebendige und eindrückliche Weise deutlich, dass das Schreiben, das zunächst vor allem in den Klöstern angesiedelt war, eine Knochenarbeit war.

Dr. Selinger gab einen Überblick über die mittelalterlichen Skriptorien und wies auch darauf hin, dass an der Schreibarbeit schon sehr früh Frauen beteiligt waren. Das Mittelalter sei nicht nur die Blütezeit der Schrift, sondern auch der Buchmalerei gewesen. Das werde auch in der Ausstellung deutlich.

Und in der Ausstellung konnten sich die Besucher dann ein schönes Bild über die Welt der mittelalterlichen Skriptorien machen und bekamen gezeigt, wie vor der Erfindung des Buchdrucks ein Buch hergestellt wurde. In der sehenswerten Ausstellung kann man gut nachvollziehen, wie extrem kostbar ein handgeschriebenes Buch zur Zeit des Mittelalters gewesen ist. Es lohnt sich auch im Zeitalter elektronischer Medien, diese Ausstellung zu besuchen. Sie eignet sich besonders für Jugendgruppen und Schulklassen.

Zur Ausstellung gibt es ein Rahmenprogramm mit einem Workshop für Kinder zum Schreiben mit der Feder mit der Ausstellungsmacherin Dr. Selinger am 29. August. Dr. Jürgen Römer hält am 6. September einen Vortrag zum Thema „Schrift und Schreiben in der Geschichte“ und am 18. September ein Seminar zum Thema „Historische Schriften lesen lernen“.

Quelle: HNA

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