Knüllwald hat mit 21,3 Millionen Euro höchsten Schuldenstand

Knüllwald. Ins Knüllwalder Parlament ist Ruhe eingekehrt. Und das scheint nicht nur am bevorstehenden Weihnachtsfest zu liegen.

Gemeindevorsteher Jürgen Jurgilewitsch blickte in der letzten Sitzung des Jahres am Montagabend sogar zuversichtlich ins kommende Jahr: „Nach all den Turbulenzen hatten wir in den vergangenen Monaten eine richtig gute Zusammenarbeit.“

Grund für große Gelassenheit gibt es allerdings nicht: Im Haushalt klafft eine Lücke von fast einer Million Euro. Der Fehlbedarf der Gemeinde beträgt 986 000 Euro und übertrifft alles bisher Dagewesene.

Ein Grund dafür ist die größte Baustelle der Gemeinde: der Kanalbau in Oberbeisheim kostet 1,9 Millionen Euro. Die Arbeiten, die das ganze kommende Jahr andauern sollen, sorgen dafür, dass nicht nur alle Straßen im Ort aufgerissen werden, sondern dass das Loch im Haushalt noch viel größer wird. In Oberbeisheim wird der Kanal erneuert, die Straßen und Wege werden saniert und marode Wasserleitungen ersetzt.

Außerdem werde ein Vielseitigkeitsplatz an der Knüllwaldschänke geschaffen, das Backhaus saniert und damit die Dorferneuerung abgeschlossen, sagte Bürgermeister Jörg Müller, als er den Haushalt vorstellte.

Der Straßen- und Wegebau beschäftigt die Gemeinde auch in Nenterode, in Schellbach, in Niederbeisheim und Rengshausen (insgesamt 235 000 Euro). Weiter müssen Feuerwehrfahrzeuge angeschafft werden (343 000 Euro) und der Bau des Feuerwehrgerätehauses in Niederbeisheim (389 000 Euro) steht an. Der Digitalfunk für die Feuerwehren wird 2013 in Knüllwald eingeführt, die Geräte dafür kosten 70 000 Euro.

Seniorenheim in Remsfeld

Weiteres Geld ist für den Aus- und Neubau der Kindergärten in Remsfeld und Rengshausen (345 000 Euro) fällig. Ein großer Posten ist der Kauf und der Abriss am still gelegten Teil der Stuhlfabrik (404 000 Euro). Mit zusätzlichem Geld aus dem Programm Stadtumbau West soll dort die Voraussetzung geschaffen werden, damit dort ein Seniorenheim entstehen kann. Viele kleinere Reparaturen, etwa die an Dorfgemeinschaftshäusern, belasten den Haushalt zusätzlich mit 78 100 Euro.

Jörg Müller hofft, dass sich 2013 die Anhebung der Hebesätze für die Grund- und Gewerbesteuer in Zahlen niederschlagen und die Einnahmen erhöhen. Die Kreditaufnahme soll 1,9 Millionen Euro betragen, die Kassenkredite belaufen sich auf 3 Millionen Euro. Die Schulden erreichen einen neuen Höchststand mit 21,3 Millionen Euro.

Angesichts dieser Lage forderte Müller wiederum die dringend notwendige Veränderung des Finanzausgleiches. Erste Erfolge gebe es. Für die kommenden Jahre erhielten Gemeinden, die besonders schwer unter dem demografischen Wandel leiden, einen Zuschuss. Müller rechnet mit 200 000 Euro für Knüllwald. Das sei aber noch zu wenig. „Eine weitgreifende Veränderung ist dringend nötig“, betonte er.

Quelle: HNA

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