Kochen wie einst Oma Elsa

Saison des Heimatmuseums in Spangenberg beginnt am 5. Mai

Neues Buch für das Museum: Gisela Knierim überreichte Leiter Heinz Buhre ein Koch- und Haushaltsführungsbuch ihrer Großmutter aus dem Jahr 1910 für das Spangenberger Heimatmuseum. Foto: Feser

Spangenberg. Elsa Jentsch war eine gute Köchin. Und eine noch bessere Hauswirtschafterin. Dabei hat der Frau Jahrgang 1900 sicherlich das Lehrbuch für den Koch- und Haushaltsunterricht geholfen.

Ihre Enkelin Gisela Knierim aus Spangenberg hat nun das 103 Jahre alte Buch an das Heimatmuseum der Liebenbachstadt geschenkt. Zur Saisoneröffnung des Heimamuseums wird es zu bestaunen sein.

„Was soll das Buch bei mir zuhause im dunklen Eckchen liegen“, sagt die 71-jährige Gisela Knierim. An ihre Großmutter Elsa kann sie sich noch gut erinnern. Diese hat manchmal einen Rucksack mit Birnen organisiert, wenn ihre Enkelin die Oma in Dresden besucht hat. „Und sie war fassungslos, als ich den halben Rucksack auf einmal leer gegessen habe“, erzählt Gisela Knierim. Schließlich war nach dem Krieg ein Rucksack voller Birnen in dem ausgebombten Dresden etwas ganz Besonderes.

Oma Elsa war in Dresden aufgewachsen. Ihre Mutter war Waschfrau bei Bürgersleuten, und Elsa musste früh im elterlichen Haushalt mithelfen. 1920, bei Elsas Hochzeit, hat sie das besagte Buch von ihrer Mutter geschenkt bekommen. Später hat Elsa Jentsch das Buch an ihre Enkelin Gisela weitergegeben.

Das Buch aus dem Jahr 1910 kostete einst 55 Reichspfennig. „Das Glück einer Familie hängt von einer geordneten Haushaltsführung ab“ steht darin. Deshalb empfiehlt der Ratgeber aus der Zeit der Weimarer Republik die so genannte Tassenwirtschaft.

Die gute Hausfrau soll demnach acht Tassen anlegen und monatlich eine bestimmte Summe in jede Tasse legen. Empfohlen werden Tassen für Miete, für Steuern und Versicherungen, für Schuldbedürfnisse, für Holz und Kohlen, für Beleuchtung, für Haushaltsgeld, für Kleider, Schuhe und Wäsche sowie für unvorhergesehene Ausgaben.

„Das Buch spiegelt das Gedankengut der damaligen Zeit wider“, berichtet Museumsleiter Heinz Buhre. Alle Rezepte sind für eine Familie mit vier Kindern berechnet. Hinter jeder Zutat und Speise stehen die Kosten: Mehlsuppe neun Reichspfennig, Erbs-Wurst-Suppe 13 Reichspfennig, selbst Wasser und Salz werden berechnet.

Für eine gute Hausfrau sei es eine Kunst, mit dem zur Verfügung stehenden Geld auszukommen. Deshalb wurde den Hausfrauen von anno dazumal empfohlen, ein Haushaltsbuch zu führen, in dem alle Ausgaben aufgelistet wurden.

Dass Elsa Jentsch regen Gebrauch von dem Koch- und Haushaltsbuch gemacht hat, ist an den vielen geklebten Seiten zu erkennen. Der dunkle Einband wurde mit Klebestreifen zusätzlich gestärkt. Auch Enkelin Gisela Knierim hat schon daraus gekocht: „Die Rezepte sind in Ordnung“, sagt sie aus heutiger Sicht und erinnert sich, dass ihre Brötchen-Speise Armer Ritter aus dem Kochbuch der Oma stammt.

Andere Zeiten – andere Küche: Fast jedes Rezept wird mit Schmalz gekocht. „Butter war damals etwas Kostbares“, sagt Gisela Knierim. Heute ist das anders. Die Spangenbergerin verwendet Schmalz nur noch im Grünkohl und Sauerkraut. „Damit schmeckt’s aber richtig gut.“

Von Claudia Feser

Quelle: HNA

Kommentare