Leipziger Pfeffermühle servierte in der Knüllstadt bissiges Politik-Kabarett

Köche ließen’s brodeln

Mühlenmannschaft am Herd: Marco Schiedt, Ute Loeck, Peter Mohr von der Leipziger Pfeffermühle servieren in Neukirchen bissiges Kabarett als vergnügliches Festmahl. Foto: Heist

Neukirchen. Deftige satirische Kochkunst servierte die Pfeffermühle aus Leipzig am Freitagabend bei ihrem Gastspiel im Atrium der Steinwaldschule. Unter der Regie von Matthias Nagatis boten Ute Loeck, Peter Mohr und Marco Schiedt anspruchsvolles politisches Kabarett mit Witz und Biss. Musikalisch begleitet wurden sie von Steffen Reichelt (Schlagzeug, Trompete) und Hartmut Schwarze (Piano).

„Frust oder Keule“ lautete das Motto der 90-minütigen Kochshow, bei der sowohl die schwarz-gelbe Regierungskoalition als auch die Opposition und die Medien ordentlich ihr Fett wegbekamen.

130 zunächst verhaltene Zuschauer fanden zunehmend Gefallen an der satirischen Aufbereitung von Geschichte und Politik.

Mit Anspielungen wie „Früher waren wir das Volk der Dichter und Denker, heute sind wir das Volk der Lichter und Lafer“, nahmen die Leipziger Kabarettisten das deutsche Fernsehprogramm mit seiner Vielzahl an Kochsendungen unter Beschuss. Zur Erheiterung des Publikums wurden auch die Kochkünste der Regierung näher betrachtet: „Merkel kocht frei Schnauze; Küchenhilfe Westerwelle wärmt alles wieder auf.“ Es brodelte in der „Gerüchteküche“, und mit der Kritik am „Einstieg in den Ausstieg vom Atomausstieg“ wurde es zunehmend politisch.

Ausdrucksstark und facettenreich griff das Ensemble der Pfeffermühle Themen wie Sparpaket, Hartz IV, Afghanistan und Datenklau auf. Zur Fahndung ausgeschrieben wurden die Terroristen „Bin krank“, „Bin zu alt“, „Bin schwanger“ und „Bin bald zurück“. Der „Politnavigator“ lenkte das Publikum durch politische Reden von Angela Merkel und Helmut Kohl, und der Deutsche Bundestag spielte „Eine kleine Machtmusik aus dem Knöchelverzeichnis“ zu der Melodie von „Das ist die Berliner Luft“.

Das Programm kam bei den Zuschauern gut an. Das Stimmungsbarometer stieg von Minute zu Minute. Am meisten amüsierten sie sich über die marionettenhafte Darstellung der christlich-liberalen Koalition: Horst Seehofer (Ute Loeck), Angela Merkel (Marco Schiedt) und Guido Westerwelle (Peter Mohr) als eine Mischung aus Kasperle Theater und Muppet Show. Sie kochten dem Publikum eine Volksspeise. Merkel (Schiedt): „Billig muss sie sein, und stopfen muss es.“ Westerwelle (Mohr): „Eine Bundessuppe mit ganz vielen Versprechungen!“

Durch den anhaltenden Applaus ließ sich das Ensemble zu einer Zugabe hinreißen. Zur Melodie der Gruppe Silbermond ertönte es zum Abschluss von der Bühne: „Gib mir ‘n kleines bisschen mehr Gehalt, weil mir sonst Hartz IV nur bleibt.“

Organisiert wurde die Veranstaltung von der Kulturinitiative Kunst und Dunst.

Von Kerstin Heist

Quelle: HNA

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