Bernd Hilgenberg fährt Mähdrescher aus Leidenschaft

Der König der Kornfelder

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Drescherfahrer aus Leidenschaft: Bernd Hilgenberg mäht und drischt auf den Feldern rund um Melsungen. Auch sein zweijähriger Enkel Tom-Konrad hat Spaß an der großen Maschine und nennt sie liebevoll „Claas“.

Melsungen. Der Claas Lexion 530 Montana neigt sich bedrohlich zur Seite. Das Frühgerstefeld, das es an diesem Tag zu mähen gilt, liegt an einem Abhang zwischen Melsungen und Heßlar. Es staubt und ist heiß. Der unebene Untergrund schaukelt den Mähdrescher kräftig durch.

Die Schräglage zwingt Bernd Hilgenberg in eine unangenehme Sitzposition. Der Rücken schmerzt. Dann drückt der Drescherfahrer einen Knopf: Wie von Geisterhand stellt sich das Führerhaus waagerecht.

„Das ist eine Hangausgleichsfunktion“, erklärt Hilgenberg. Eine Hydraulik hält Führerhaus und die Haspel, wie der rote Vorbau des Dreschers genannt wird, waagerecht. „Das ist nicht nur besser für den Rücken, sondern hilft auch beim Mähen.“ Denn wenn die Haspel schräg steht, besteht die Gefahr, dass sie sich in den Boden frisst.

„Es ist noch nie etwas stehen geblieben“, antwortet der 51-Jährige auf die Frage, ob er denn sein Arbeitspensum mit dem Mähdrescher immer schafft. Immerhin ist er Hauptberuflich Kfz-Meister und kann deshalb nur abends und am Wochenende auf die Felder.

200 Hektar Getreidefelder mäht er jedes Jahr von Anfang Juli bis Ende August. Die Fläche entspricht zwanzig Mal der Größe der Stockelache. An manchen Tagen mäht er von früh bis spät in die Nacht. Das macht dem leidenschaftlichen Mähdrescherlenker aus Melsungen nichts aus. Denn der Mähdrescher ist sein Hobby.

300 PS starke Maschine

22 Hektar am Tag schafft Hilgenberg mit seinem Mähdrescher. „Dann muss aber alles perfekt laufen.“ Wenn das Getreide nass ist oder liegt, lässt es sich nur langsam mähen. Maximal sechs Kilometer pro Stunde fährt die 300 PS starke Maschine auf dem Feld. „Wenn ich schneller fahre, bleibt zu viel Getreide stehen“, sagt der Melsunger.

Der Mähdrescherlenker schafft sich als erstes eine Zufahrt, wenn er beginnt ein Feld zu mähen. „Das ist wichtig, damit ich nicht über das Getreide fahre.“ Dann fährt er den Rand des Feldes ab, damit nur noch das Getreide in der Mitte steht. „So kann ich auf den Rändern anschließend rangieren.“ Denn da wird es mit der sechs Meter breiten Haspel manchmal eng.

Danach mäht er eine Schneise in der Mitte des Feldes und arbeitet sich von der Mitte nach außen vor. Von seinem klimatisierten Führerhaus aus muss er dabei stets nach Wild Ausschau halten. „Rehe neigen dazu, auf die Maschine zuzulaufen“, berichtet Hilgenberg.

Hilgenberg übernahm im Jahr 1990 den Hof seines Vaters. Für den Haupterwerb reicht die Landwirtschaft nicht. „Ich fahre mit meinem Mähdrescher für die Betriebe Brüne und Gießler.“ Die Landwirte sind bei der Ernte dabei. Fünf Tonnen passen in den Getreidetank des Dreschers, dann muss er abtanken. Über ein Rohr wird das Getreide auf einen Anhänger umgefüllt. „Mit geübten Traktorfahrern klappt das während des Mähens. So gibt’s keinen Zeitverlust.“

Quelle: HNA

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