Kunstbetrachtung: Rembrandt stand im Museum der Schwalm im Mittelpunkt

Könner und Maler des Lebens

Meister des Kontrastes: Konrad Nachtwey sprach im Museum über Rembrandt. Foto: Rose

Ziegenhain. „Rembrandt einmal anders – zarte Stiche, derbe Themen“ lautete am Donnerstag das Motto der regelmäßigen Kunstbetrachtungen im Museum der Schwalm. Kunsthistoriker Konrad Nachtwey lenkte den Blick auf den niederländischen Maler, der es als fünfter Sohn eines Müllers zu Weltruhm brachte.

„Er wurde von seinem Vater, einen wohlhabenden Mann, auf eine Lateinschule geschickt.“ Schon früh habe sich Rembrandts Begabung gezeigt. „Seine frühen Werke gehören zur Genremalerei“, erklärte Nachtwey. Seine Begabung und sein Können – auch als Radierer – habe Rembrandt etwa 1640 im Werk „Die drei Bäume“ bewiesen. „Rembrandt war einer der ersten, der in einer Radierung eine Wetterstimmung einfing“, verdeutlichte der Museumsleiter.

Der Niederländer sei immer ein Künstler gewesen, der das „Leben malte“. In besonderer Weise sei es ihm gelungen, das Gefühl der Modelle einzufangen. Er habe nie geschönte Modelle gezeigt, „sondern das Seelenleben“. Rembrandt habe zudem die Gabe besessen, das Unwichtige weg zu lassen.

Auch war er wohl ein Meisters des Hell-Dunkel-Kontrastes: „Oft sind es imaginäre Lichtquellen, denen sich der Maler bedient hat. Häufig waren bei Rembrandt jedoch auch die Quellen direkt erkennbar.“ Er habe sich nicht in Einzelteilen verloren, jedoch jegliche Zwischentöne von Stimmungen perfekt transportiert.

Auch war der Niederländer ein überaus talentierter Künstler im Umgang mit dem Stichel: Es entstanden Kupferstiche wie das „Emmaus-Mahl“. Dazu beherrschte Rembrandt den Einsatz von Schraffuren und Linien: „Ihm gelang es, so etwas wie Bewegung zu imitieren“, sagte Nachtwey. Modell für seine Werke hätten übrigens häufig Familienmitglieder gestanden.

Rembrandt habe sich zudem auch derben Themen gewidmet. Etwa bei der Darstellung „Vertreibung der Händler aus dem Tempel“ aus dem Jahr 1635. Er habe eine „verkommende Tempel-Gemeinschaft“ dargestellt, in der Christus zuschlage. „Das hat Rembrandt gemacht, Rubens hingegen nicht“, erklärte der Kunsthistoriker. Interesse hätten Künstler jener Zeit auch an Arbeiten mit Schlachtvieh gehabt: „Es ging um den toten Körper und dessen Farbigkeit.“

Sinn und Sinnlichkeit - beides liegt im Leben oft nah beieinander. Das mag schon Rembrandt so gesehen haben: mal zart, mal derb, aber immer mit der „Liebe zum Leben“. (zsr)

Quelle: HNA

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