Ursprung ist ein Rätsel

Ortsnamen auf der Spur: Körle - wo die Esel zuhause sind

Körle. Bei vielen Ortsnamen erschließt sich nicht sofort, woher sie kommen. Wir haben uns auf die Suche nach dem Ursprung der Namen von Orten im Schwalm-Eder-Kreis gemacht. Diesmal: Körle.

Warum Körle so heißt, wie es heißt, wird aber wohl ewig ein Rätsel bleiben. Heinz Rüdiger jedenfalls, der sich gründlich mit der Geschichte seines Heimatortes befasst hat, konnte bislang nirgendwo eine eindeutige Erklärung für diesen Namen finden. „Fest steht, dass Körle ursprünglich Chrulle hieß“, sagt Rüdiger. Aber auch die Bedeutung des Wortes Chrulle sei unbekannt.

Als Chrulle wurde der Ort im Jahr 1074 erstmals urkundlich erwähnt. Es blieb abernicht bei diesem doch sehr schwer aussprechbaren Namen: Laut Wikipedia wurde daraus 1172 Kurle, 1299 Corle, 1392 Kirle, 1787 Cörla und 1830 Koerle.

Den Begriff Körle findet man zum Beispiel im Wort Körlefeld wieder. Körlefelder gibt es in vielen Orten, sie bezeichnen eine feuchte Wiese oder einen feuchten Acker.

Feuchte Böden 

Dass Körle ein Ort mit besonders feuchten Böden ist, lässt sich aus dem Ortsnamen dennoch nicht schließen, sagt Rüdiger. Zumal der Ort ausgerechnet im Tal der Trockenen Mülmisch liegt, einem Fluss, der seinen Namen trägt, weil er im Sommer manchmal zu einem Rinnsal austrocknet.

Die Körler müssen sich also damit abfinden, dass die Herkunft ihres Ortsnamens nicht geklärt ist. Deutlich mehr Informationen hingegen gibt es dazu, warum die Körler auch den Spitznamen „Esel“ tragen, berichtet Heinz Rüdiger.

Dieser Spitzname geht auf folgende Geschichte zurück: Nach der Reformation hatte Körle keinen eigenen Pfarrer mehr: Der Pfarrer war nun auch für Wollrode zuständig. Um von Ort zu Ort zu gelangen, ritt der Pfarrer auf einem Esel, den er während des Gottesdienstes an der Kirchhofsmauer anband. Einmal kam eine Magd vorbei, sah den Esel und begann, ihn zu ärgern, in dem sie ihn mit dem Stiel ihrer Mistgabel anstieß. Ein paar Jungen aus dem Dorf kamen dazu und feuerten die Magd an, die den Esel so lange triezte, bis er tot umfiel.

Zur Strafe mussten die Körler jedes Jahr einen Eselszins an die Kirche zahlen. Anfangs ärgerten sich die Bewohner des Ortes noch über diese für sie doch eher peinliche Geschichte.

„Irgendwann hat man dann aber beschlossen, das Beste aus dem Spitznamen zu machen“, sagt Rüdiger. „Heute sagen wir sogar über uns selbst: Ich bin ein Körler Esel.“ Und der Esel steht nun auch als Wahrzeichen Körles vor dem Rathaus.

Von Judith Féaux de Lacroix

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Quelle: HNA

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