Feier lief aus dem Ruder

Körperverletzung: Angeklagter freigesprochen

Treysa. Im Zweifel für den Angeklagten: Weil einem 33-Jährigen aus dem Altkreis Ziegenhain die Beteiligung an einer Schlägerei in Schwalmstadt nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, sprach ein Richter am Amtsgericht Schwalmstadt den Mann frei.

Dem 33-Jährigen war zur Last gelegt worden, im September vergangenen Jahres gegenüber einem 31-jährigen Zeugen gewalttätig geworden zu sein und den Mann geschlagen und getreten zu haben. Mit vor Gericht verantworten musste sich zudem ein 17-Jähriger aus dem Schwalm-Eder-Kreis. Dieser gab vor Gericht zu, den Zeugen mit mehreren Faustschlägen auf den Kopf geschlagen zu haben.

Nicht nur im Hinblick auf die Körperverletzung sah der Richter beim jugendlichen Schulschwänzer erzieherischen Bedarf: Er erteilte dem 17-Jährigen die Weisung am Projekt „Lernen durch Erfahrung“ teilzunehmen, wofür sich auch die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe ausgesprochen hatte. Zur Abschreckung vor weiteren Straftaten wird der Jugendliche einen Tag in der Justizvollzugsanstalt Ziegenhain verbringen. Zudem muss er 30 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und laut Weisung des Richters regelmäßig und pünktlich die Schule besuchen, sonst drohen ihm zwei Wochen Beugearrest.

Der 33-jährige Angeklagte stritt die gegen ihn erhobenen Vorwürfe ab. Er beteuerte, in die Schlägerei mit dem Zeugen nur eingegriffen zu haben, um zu schlichten. Ereignet habe sich der Vorfall zu nächtlicher Stunde, während einer Feier mit Freunden, zu der der Zeuge mit zwei weiteren Personen hinzugekommen sei.

Der 31-jährige Geschädigte, der sich bei der Auseinandersetzung eine Gehirnerschütterung, Verletzungen an Händen, Kiefer und im Bereich der Rippen zuzog, gab an, er habe mit zwei Freunden etwas getrunken und sie seien dann „raus, um noch etwas frische Luft zu schnuppern“.

Unterwegs habe er die vertraute Stimme eines Bekannten gehört und sei dieser gefolgt. Der Bekannte habe ihn begrüßt, und man habe sich unterhalten. Dabei habe ein Mann vor ihm rumgefuchtelt und ihn ins Gesicht geschlagen.

Er selbst habe sich zu einer Beleidigung hinreißen lassen. Mit seinem Bekannten habe er sich ein Stück weit entfernt, als mehrere Personen auf ihn los seien, ihn geschlagen und getreten hätten. Die Beteiligung des älteren der beiden Angeklagten an dem Übergriff gegen ihn schloss der 31-Jährige nach anfänglicher Unsicherheit aus.

Sicher dagegen war er sich hinsichtlich der Beteiligung des Jugendlichen. Dessen Vater, der laut Zeugenaussage bei der Schlägerei ebenfalls vor Ort gewesen sein soll, machte von seinem Recht Gebrauch, vor Gericht nicht gegen seinen Sohn aussagen zu müssen. Auch die beiden Freunde des Geschädigten konnten bei ihren Zeugenaussagen den 33-Jährigen nicht eindeutig als Angreifer identifizieren.

Der ebenfalls als Zeuge geladene Bekannte des Geschädigten erschien nicht vor Gericht. Stattdessen kamen zwei Polizeibeamte, die sich nach dessen Verbleib erkundigten. Weshalb der Mann von der Polizei gesucht wird, blieb unklar.

Von Kerstin Heist

Quelle: HNA

Kommentare