Daniel Barrero aus Kolumbien verbrachte elf Monate in Wolfhagen

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Letzter Schultag: Daniel Barrero auf dem Schulhof der Wilhelm-Filchner-Schule – der Abschied von Wolfhagen fällt dem Kolumbianer nicht leicht.

Wolfhagen. Das mit dem Schnee, das findet er schade. Denn wenn sein Flieger am frühen Samstagmorgen in die Heimat nach Kolumbien startet, soll der Winter zurück kommen, und mit ihm möglicherweise der erhoffte Schnee.

Doch dann ist Daniel Barrero wieder im Kreis seiner Familie in Bucaramanga, Hauptstadt der Provinz Santander in Kolumbien. Und dort gibt’s keinen Schnee: Die durchschnittliche Temperatur liegt derzeit bei etwa 22 Grad.

Knapp elf Monate verbrachte Daniel Barrero als Austauschschüler im Altkreis Wolfhagen: Er wohnte bei Gastfamilien in Altenstädt und später in Naumburg, besuchte die zwölfte Klasse der Wilhelm-Filchner-Schule in Wolfhagen und hat während dieser Zeit nicht nur seine Deutschkenntnisse perfektioniert. „Ich habe richtig viele, gute Freunde gefunden“, erzählt Daniel, der vor kurzem seinen 18. Geburtstag feierte und dabei von seinen neuen Freunden mit einer „tollen Abschiedsparty“ überrascht worden war.

Daniel, der über die Organisation AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. nach Deutschland kam, hat seinen Aufenthalt privat organisiert. Eigentlich wollte er neben der Schule Russisch lernen. Doch seine Mutter, so erzählt der 18-Jährige in fließendem Deutsch mit leichtem Akzent, meinte, dass die Sprache sehr schwierig sei. Und so „nahm ich ein Jahr lang privaten Deutschunterricht“, sagt er. Daniel mag die Sprache und auch das Land. Vor allem die weiten Flächen im Wolfhager Land begeisterten ihn. „Im Sommer bin ich oft mit dem Rad von Naumburg aus zur Schule gefahren“, erzählt er. Dass habe er genossen. In seiner Heimatstadt wäre das kaum möglich. Daher war Daniel froh, die ländliche Region kennenzulernen.

Seiner Heimreise tritt er mit gemischten Gefühlen entgegen: „Ich habe mich jetzt richtig eingelebt“, sagt er. Zwar freue er sich sehr auf sein Zuhause und auf die Familie, doch es schwingt auch Wehmut mit. „Das schwerste Gewicht im Gepäck machen die Beziehungen aus“, sagt der 18-Jährige nachdenklich. Doch in seiner Heimat wird ihm nicht viel Zeit zum Nachtrauern bleiben: Schon am 20. Januar beginnt er sein Studium der Chemie an der Universität in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá. Und wenn Daniel Barrero irgendwann einmal wieder nach Deutschland kommen sollte, wünscht er sich vor allem eins: Schnee, denn den hat er noch nie erlebt.

Von Vera Glass

Quelle: HNA

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