Kommentar zur Wahl in Schwalmstadt: Wider das Stadtteildenken

Die einen lecken ihre Wunden, die anderen erholen sich vom Feiern - so ist das immer nach einer so wichtigen Wahl wie am Sonntag in Schwalmstadt. Ein Kommentar von Redaktionsleiterin Anne Quehl.

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Noch zu sprechen sein wird über die viel zitierte Fairness. Die blieb in manchem Beitrag besonders in den neuen sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter wohl teils auf der Strecke. Besonders empörend und eigentlich unfassbar sind dabei fremdenfeindliche Reflexe gegen den unterlegenen SPD-Bewerber Dr. Fabio Longo. Der promovierte, angesehene Nordhesse muss aus allen Wolken gefallen sein, als er sich im Jahr 2012 mit billigsten Vorurteilen gegen Ausländer konfrontiert sah.

Gewonnen hat Sieger Dr. Gerald Näser ganz klar Treysa. Dort wählten ihn 1766 Menschen, Longo nur 1367. Den anderen großen Stadtteil, Ziegenhain, eroberte hingegen Longo (52,5 Prozent). Hier ist für den künftigen Bürgermeister ein Hauptschauplatz, wenn er bedenkt, dass in der Festungsstadt für ihn von über 3000 Wählern gerade mal 616 Frauen und Männer stimmten, ausgeklammert die Briefwahl, die für Ziegenhain nicht eigens ausgewiesen ist. Die Wahl wurde in Treysa verloren und gewonnen - je nach eigener Warte.

Die Ziegenhainer werden genau hinsehen, wie Näser sein Versprechen einlöst, für alle Stadtteile da zu sein. Aufschlussreich ist auch der Blick auf die Stimmenverteilung außerhalb der beiden Städte: Longo erzielte in den Dörfern 48,9 Prozent, Näser hatte dort in absoluten Stimmen bloß einen Vorsprung von 58 Stimmen (ohne Briefwahl), bei insgesamt knapp 80 ungültigen Stimmzetteln nicht die Welt. Ab Herbst liegt es an Gerald Näser, seine Zusagen einzulösen und jedes Stadtteildenken Lügen zu strafen.

Schmerzhafter Coup

Selbstverständlich ist die Freude der CDU nur zu berechtigt. Es ist ein für die SPD schmerzhafter Coup, den gefühlt ewigen Bürgermeisterposten verloren zu haben. Immerhin hatten die Christdemokraten in der vorigen Kommunalwahl lediglich knapp 30 Prozent erzielt.

Das Thema Wieragrund mit seinen diffusen Problemkreisen wird dazu viel beigetragen haben. Nicht wenige Wähler haben ihrem Unwohlsein durch ihr Kreuzchen Ausdruck verliehen. 46 Prozent Nichtwähler konnten zwar gar nicht hinterm Ofen hervor gelockt werden, unterm Strich war die Zustimmung für den heimischen Kandidaten und den Wechsel aber jetzt eindeutig da.

Von Anne Quehl

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Quelle: HNA

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