Knigge-Trainerin Gabi Heitmann referierte in Schrecksbach über Umgangsformen

Das Du kommt vom Chef

Hier gilt das Handgeber-Recht: Im Berufsleben reicht der Chef stets zuerst seinen Mitarbeitern die Hand. In Schrecksbach erklärte Trainerin Gabi Heitmann das richtige Verhalten. Fotos: 1 AP/nh/1 Rose

Schrecksbach. Fünf Sekunden sind entscheidend: „Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance“, sagt Gabi Heitmann. Seit mehr als 20 Jahren ist die Baunatalerin Image-Beraterin und Trainerin für mittelständische und große Unternehmen. Am Donnerstagabend fühlte Heitmann den Umgangsformen von 110 Zuhörern, die auf Einladung der VR Bank HessenLand nach Schrecksbach gekommen waren, auf den Zahn. „Knigge ist tot, es lebe Knigge – aus Unsicherheiten Sicherheiten machen“ lautete der Titel ihres Vortrags.

Der Mensch ist ein Augentier – das wusste schon Leonardo Da Vinci. „Wir müssen uns bewusst machen, wie wir auf andere wirken wollen“, erläutert die Expertin. Junge Leuten wüssten genau, wie sie in ihre Clique passten, nicht aber in das Unternehmen, in dem sie beschäftigt seien. Heitmann stellte aber auch klar: „Der alte Knigge ist seit 250 Jahren tot – lassen Sie ihn in Frieden ruhen.“

Umgang ist vielen wichtig

Neueste Umfragen haben ergeben: 95 Prozent aller Deutschen ist guter Umgang wichtig. Höfliche Umgangsformen, gepflegte Kleidung, die passende Wortwahl – all das versteckt sich im Begriff Image. „Image sagt nicht aus, wer wir sind, sondern wie wir von anderen gesehen werden“, verdeutlicht Heitmann.

• Duzen oder Siezen? „92 Prozent legen darauf Wert, gesiezt zu werden“, erklärt die Trainerin aus Baunatal. Im Berufsleben könne beim Duzen schnell die notwendige Sachlichkeit oder Distanz verloren gehen. • Wer bietet das Du an? „Immer der hierarchisch höher Gestellte“, sagt Heitmann.

• Wie geht man mit akademischen Titeln um? Der Titel sei zwar kein Bestandteil des Namens, erläutert die Expertin. „Jedoch wollen wir den Titel nicht abspenstig machen. Wir sprechen deshalb immer den höchsten Titel an, lassen allerdings auch bei der schriftlichen Anrede Herr oder Frau weg.“ Adelstitel seien hingegen Namensbestandteile.

• Sind Titel geschlechtsneutral? „Der Doktor ist eigentlich geschlechtsneutral. In Deutschland setzt sich aber immer stärker die Doktorin durch. Diese weibliche Funktion in der Anrede gilt auch für Professorinnen“, sagt die Expertin.

• Wie verhalte ich mich im Restaurant? Das locker dahin gesagte „Fräulein, bitte zahlen“ sei leider völlig antiquiert und auch falsch. „Die korrekte Bezeichnung für Herr Ober ist eigentlich Herr Ober-Kellner, also auch Frau Ober oder Ober-Kellnerin“, rät Heitmann.

• Wie funktioniert eine korrekte Begrüßung? Im Berufleben gelte das so genannte Handgeber-Recht. „Der Chef begrüßt seinen Angestellten und reicht ihm dazu die Hand. Sind Ehepartner dabei, stellt der Chef seiner Frau den Mitarbeiter vor“, erklärt die Trainerin.

Schlussendlich empfahl sich Gabi Heitmann mit Knigges Worten: „Vor allen Dingen vergesse man nie, dass selbst der unterrichtendste Umgang in der Länge ermüdend vorkommt, wenn er nicht zuweilen mit Witz und gute Laune gewürzt wird.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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