Katharina Heimel aus Harle feiert heute ihren 100. Geburtstag und erinnert sich sehr gerne zurück

„Kommt mir gar nicht lange vor“

Zufrieden: Katharina Heimel blickt gerne zurück. Das Bild rechts zeigt sie 1931. „Ich nehme das Leben, wie es kommt. Es gibt Höhen und Tiefen, es geht nicht immer alles glatt, aber das Leben geht immer weiter. Wenn man so alt wird, hat man viel erlebt“, sagt sie. Fotos: 1Mangold/1 privat

Wabern. Geboren wurde sie am 22. Juni 1913 in Niedermöllrich, heute feiert Katharina Heimel, geborene Riemenschneider, ihren 100. Geburtstag und kann es selbst kaum glauben. „Wenn ich mich an alles so zurück erinnere, dann kommt es mir gar nicht so lange vor“, meint sie kopfschüttelnd und lacht.

Und dann spricht sie in Reimen, denn sie schrieb ihr Leben lang Gedichte und hat die meisten noch im Kopf: „Man hört so oft von den ergrauten Greisen, wie gerne sie die alten Zeiten preisen, doch wer von uns wär’ denn bereit, zu tauschen mit der guten alten Zeit?“

Gerne sitzt die Jubilarin im Sessel, betrachtet alte Fotos und hält Rückschau: Sie war eines von fünf Kindern, ihre Mutter war Hebamme und ihr Vater, der früh verstarb, arbeitete bei der Bahn. Nach Abschluss der Ursulinenschule in Fritzlar fand sie Arbeit als Aushilfe in Bad Wildungen. Dort lernte sie eine Holländerin kennen, die ihr eine Stelle im Haushalt anbot.

„Ich wollte in die große weite Welt hinaus“, erinnerte sich die Seniorin. Aber ihre Mutter habe große Bedenken gehabt, sie habe sogar die Polizei in Amsterdam angerufen, um sicher zu stellen, dass es besagte Familie auch wirklich gab und ihre Tochter nicht in die Hände von Mädchenhändlern fiel. Aber dann habe sie fahren dürfen, mit dem Zug von Wabern nach Amsterdam. Als sie dort die Passanten nach dem Ausgang des großen Zentralbahnhofs fragte, bekam sie die immer gleiche Antwort „Kann nit verstan“. Diese Anekdote gehört inzwischen zum Fundus der Familiengeschichten, berichtete Tochter Doris schmunzelnd.

Vier Jahre lang wohnte und arbeitete Katharina Heimel in Amsterdam. „Das waren für mich goldene Jahre“, schwärmte sie. Wenn sie in den Ferien nach Hause kam, sei das halbe Dorf zusammen gekommen, um zu hören, wie es in der fernen Welt so zuging. „Ich war eine Sensation“, scherzte die Wabernerin.

Bei einem der Heimaturlaube traf sie Karl Heimel und heiratete ihn 1936. Zusammen zog das Paar in das Elternhaus des Bräutigams in Harle und bekam in den folgenden Jahren drei Kinder, Herbert, Heinz und Doris.

Ehemann Karl arbeitete in der väterlichen Schneiderei, nach dem Krieg bekam die Familie noch die Poststelle hinzu. Es seien bewegte Jahre gewesen, erinnerte sie sich. Sie arbeitete mit im Zustellungsdienst. Sie engagierte sich bei den Landfrauen und unternahm viele Reisen. Ihr Hobby war ihr Garten.

1972 starb ihr Ehemann. „Er ging spazieren und fiel tot um - da hab ich gedacht, die Welt geht unter“, erinnerte sie sich. Trost fand sie im Kreis ihrer Familie.

Viel Freude hat sie an ihren fünf Enkeln und acht Ur-Enkeln, als stolze Ur-Oma ist sie auch noch gefordert von ihren zwei kleinen Ur-Enkeln, die mit ihren Eltern im Haus wohnen. Sie sei dankbar, dass sie das alles noch miterleben dürfe, sagte sie.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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