Zur Kommunalwahl: Heizwerke in Körle im Blickpunkt

Schwalm-Eder.  Bei der Kommunalwahl am 27. März entscheiden die Wähler auch im Schwalm-Eder-Kreis, wer ihre Interessen in den Parlamenten der Städte und Gemeinden, im Kreistag und in den Ortsbeiräten vertreten soll. In unserer Serie beschäftigen wir uns damit, welche Gestaltungsmöglichkeiten die Lokalpolitiker in Zeiten knapper Finanzen noch haben. Das Thema heute: Heizwerke in Körle.

Bis zum Jahr 2020 will die Gemeinde Körle 30 Prozent ihrer Haushalte mit Nahwärme versorgen - dieses Ziel hat Bürgermeister Mario Gerhold im vergangenen Jahr ausgegeben. Das Selbstbewusstsein ist nachvollziehbar: Seit 13 Jahren schreiten die Kommunalpolitiker in der 3000-Einwohner-Gemeinde in die Öko-Zukunft.

Eine Handvoll Fachkräfte und Unternehmen kamen Ende der 90er-Jahre mit der Idee ins Rathaus, es im Neubaugebiet Auf dem Hollunder mit einem Nahwärmenetz zu versuchen und dabei Holz aus der Region für Heiz- und Warmwasser zu verfeuern statt Öl. "Ich bin da aufgesprungen", erinnert sich Altbürgermeister Fritz Ochs. Die Gemeindevertretung diskutierte und brachte es auf den Weg.

Richtungsweisend dabei: Die Gemeinde stieg als Betreiber der Anlage ein. Fritz Ochs: "Wenn es privat geht, kann die Gemeinde das auch." 95 Gebäude können im Neubaugebiet ans Nahwärmenetz angeschlossen werden. Das hat Einfluss selbst auf die Architektur: Bauwillige verzichteten auf Schornsteine, Heizungsräume und Keller. Außerdem zahlen die Nutzer wie beim Wasser für die Wärme eine Gebühr und brauchen sich weder um Reparaturen noch um Termine mit dem Schornsteinfeger kümmern.

Ohne die Erfahrungen im Baugebiet Auf dem Hollunder wäre das neue Heizwerk an der Guxhagener Straße nicht so problemlos entstanden. Das Parlament benötigte nur wenige Sitzungen für die Entscheidung. "Es gab keine grundlegenden Zweifel daran, ob das funktioniert", erinnert sich Bürgermeister Mario Gerhold.

725.000 Euro legt die Gemeinde für ihr zweites Nahwärmenetz auf den Tisch - seit ein paar Monaten sind daran 35 Gebäude mit 80 Wohn- und Gewerbeeinheiten angeschlossen, und die Nutzer haben angefangen, ihre Öltanks zu entsorgen. Auf 100.000 Liter Heizöl pro Jahr wird man nach Schätzungen der Verwaltung verzichten können. Zugleich ist das Ganze ein Impuls für die heimische Wirtschaft: Zu den Holzlieferanten gehört ein örtliches Sägewerk, und Bauhofmitarbeiter sorgen mit dafür, dass in den Heizwerken alles rund läuft. Gerade das neue Nahwärmenetz wertet den Ortskern aus Sicht der Gemeinde auf.

So haben die Kommunalpolitiker mit den Rohren für die Nahwärme auch Leerrohre fürs Internet verlegt. Beides hat moderne Technik in die alten Fachwerkhäuser gebracht. Auf ihren Lorbeeren ausruhen will sich die Gemeinde künftig aber nicht. Dabei könnten einerseits zusätzlich einzelne Gebäude an das Netz angeschlossen werden, andererseits könnte man das erste Heizwerk mit einem größeren Kessel ausrüsten und weitere Häuser im Umfeld bedienen zu können. Aber selbst wenn es vorerst nicht weitergeht, hat die Kommunalpolitik viel bewegt. Das belegen nicht zuletzt an die zehn Besuchergruppen, die pro Jahr anreisen, um sich das Nahwärmenetz anzuschauen. (lgr)

Quelle: HNA

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